Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

154 Manfried Rauchensteiner Nachricht geben zu können. — Währed ich mich nun mit der Aufstellung der Avantgarde abgegeben und den „Aufruf an die Deutsche Nation“- vom E. H. Generaliss. K. H. erhielt, waren FML Grünne, Prohaska, Wimpffen und Stutterheim über die Brücke bis an die Gatter gegangen und wollten den Mautner bewegen, dieselbe aufzumachen. Da nun meine Avantgarde auf dem Platz aufgestellt gewesen, so ging ich dann auch auf die Brücke, um mich von den etwa jenseits getroffen werdenden An­stalten zu überzeugen. Ich machte die 4 Generale hier wieder mit mir zu der Gatter gehen, wollte auch den Mautner bewegen, mir selbe aufzuma­chen; da er mir angegen antwortete, daß er selbst es nicht tun dürfe, so faßte ich den Entschluß, sogleich meine Avantgarde vorrücken zu ma­chen, die Gatter aufzusprengen und eine Position über der Brücke zu neh­men, bevor noch von den Bayern wegen des Übergangs eine Verteidigung könnte geschehen. — FML Grünne, welcher meinen Entschluß gesehen, fragte mich, ob ich von diesem Unternehmen S. K. H. dem E. H. Gene­raliss. eine Meldung gemacht hätte, und da ich demselben .nur die Frage hierauf gestellt, ob wirklich den 10. der Krieg erklärt sei, von ihm zur Antwort erhalten, daß diese Erklärung richtig sei, ersuchte ich selben, diese Meldung über sich zu nehmen, während ich mit der Vortruppe meiner Avantgarde die Gatter aufzusprengen und mich des Übergangs, bevor die Bayern imstande wären, mir etwas entgegen zu stellen und selben zu versichern (anschickte). In einer Zeit von einer halben Stunde hatten meine Truppen den Inn passiert, der E. H. Generaliss. K. H. kamen auf die höchstdemseiben ge­macht wordene Meldung gleich selbst dazu und ich nahm noch den 9. April abends die Position mit meiner Avantgarde auf dem jenseitigen Ufer, anstatt daß selbe die ganze Nacht auf dem Platz in Braunau hätte Zu­bringern und erst den 10. April den Inn passieren müssen. Anstatt der Avantgarde ließ ich nun die Tete meiner Kolonne nach Braunau rücken, um den anderen Morge auf alle Fälle selbe an der Hand zu haben. — Den 10. April in der Früh passierten dann die sämtlichen Truppen den Inn in ihrer bestimmten Aufstellung und von meinen Vortruppen wurde mir gemeldet, daß man auch keinen Feind selbst bei der Brücke von Marktl antreffe. — Von dem Aufruf an die tapferen Kriegern Bayerns wurden mehrere hundert Exemplare ausgeteilt und ist zu bemerken, daß das Landvolk in Bayern über unsere Erscheinung keine Freude zeigte, die Autorität ihren Widerwillen gegen uns bei allen Gelegenheiten zu er­kennen gegeben, daß man einige sogar in Verhaft zu nehmen gezwungen gewesen. Von S. K. H. dem Generaliss, wurde der Befehl ausgegeben, vermög welchem man hätte hoffen sollen, daß die Bayern sogleich mit uns ge­meinschaftliche Sachen machen werden, jedoch der Erfolg hat leider das Gegenteil bewiesen, wie solches weitershin durch Tatsachen wird ersieht-

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