Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 155 lieh gemacht werden. —- Den 10. April in der Nacht erhielt ich durch Kundschafter die Nachricht, daß vor der Brücke bei Ötting der Damm abgegraben wäre, die Brücke angegen noch stünde und über derselben ein Offizier mit 20 Mann bayrischer Chevauxlegers auf Piquet stünden. Ich traf sogleich die Veranstaltung, denselben auszuheben, allein noch bevor mein Kommando eingetroffen, hatte dieser Offizier, ungeachtet daß die Ortsobrigkeit der Stadt ötting gegen die Verbrennung der erst mit vie­len Unkosten auf das beste errichtet wordenen Brücke protestierte, wurde selbe dennoch in Brand gesteckt und bei Ankunft meines Kommandos be­reits bis zum Wasser abgebrannt. Nun war kein anderes Mittel, als alles mögliche zum Übergang mittels Schiffen, welche ich in der dortigen Gegend angetroffen, zu bereiten. In Braunau geschahen, oder besser zu sagen: wurde Befehl gegeben, Werke zu errichten, welche den Über­gang zu verteidigen oder zu verwehren im Stande. — Es war wirklich ein Wunder, daß meine Vortruppen die Brücke bei Marktl noch nicht ab­gebrannt gefunden hatten, denn würden die Bayern auch diese abgebrannt haben, so wäre dieses ein Aufenthalt von vielen Tagen gewesen, während welcher Zeit der Feind sich, um den Übergang zu verwehren, vorteilhaft hätte aufstellen können und Zeit gefunden (hätte), seine Truppen zu ver­sammeln ; dann wäre der Marsch des Armeekorps aus Böhmen nach Öster­reich eine verlorene Zeit gewesen. Bei solchen Umständen angegen war der Vorteil in diesem Augenblick für uns, mit einer solchen Armee nach einem gut ausgedachten Operationsplan nur immer so schnell als möglich vorzurücken und dem Feind alle möglichen Vorteile, noch bevor derselbe sich zu versammeln imstande, aus den Händen zu winden. Ungeachtet aller möglichen Anstrengung war es doch nicht möglich, den Übergang noch am 11. April zur Passage herzustellen, sondern selbe wurde erst den 12. April nachmittag geendet. Mein Armeekorps passierte dann den 12. April um 5 Uhr nachmittag den Inn und bezog die Kantonierung 1). Inzwischen trafen S. K. H. der E. H. Generaliss. auch in Neu Ötting ein und ich erstattete demselben noch vor meinem Abgehen die Meldung, daß die Brücke bei Mühldorf nicht abgebrannt, allein doch angebrannt wäre, daß ich aber bereits die Veranstaltung getroffen, solche herzustellen und zu besetzen. Obzwar S. K. H. der E. H. Generaliss. mir die höchstdemselben zugekommene Nachricht, daß einige 1000 Mann von Feinden in Wasser­burg eingerückt sein könnten, mitgeteilt und hierwegen der FML Jellachich Verhaltungen erhielt, so hat sich diese Nachricht vermög jenen, welche ich erhalten hatte, dennoch nicht bestätigt. Im Gegenteil angegen waren von der Grenze Tirols bis in die Gegend der Isar nur ein­zelne kleine Detachements entdeckt worden und es wäre zu wünschen ge­wesen, daß FML Jellachich um 5 Tage früher seine Vorrückung gemacht oder daß nach meinem Antrag am 8. April zu Ried mir erlaubt worden l) In der Gegend von Winhering.

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