Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 153 K. H. ferner, daß bei dieser Operation nichts zu besorgen wäre, weil der Feind nach genommenen Besitz von Tirol Augsburg nicht wohl werde verlassen können, wie Seine, des Erzherzogs Generalissimus K. H. mit der so großen Armee, nachdem bis nun zu noch kein zahlreicher Feind irgendwo auf gestellt, durch eine rasche Bewegung auf der Hauptstraße alles was sich im ersten Augenblick entgegenstellen könnte, über den Haufen werfen würde, und daß es im gegenwärtigen Augenblick bloß daran gelegen sei, dem Feind die Zeit zur Versammlung nicht zu lassen, mit der Armee auf der Straße nur vorzurücken, die Völker, welche sich von dem französischen Joch loszumachen gedenken durch unseren ersten entscheidenden Schritt zu unterstützen, andere hingegen hiezu aufzumuntern. — Doch alle meine Vorstellungen halfen nichts und der E. H. Generaliss. sagte mir, Seine Operationen wären so eingerichtet, daß er immer Meister von der Donau bleiben werde und daß er hievon nicht abgehen könne. Ich unterfing mich nochmals, demselben hierauf die Bemerkung zu machen, daß die Operation an der Donau gegen Regensburg doch umso sicherer werde geschehen können, wenn ich mich Augsburgs und in der Folge dessen Donauwörths sogleich der oberen Donau bemei- stern und den dorten aufgestellten Feind werde verdrängt und geschlagen haben. — Allein auch diese gegründete Vorstellung war nicht hinlänglich, etwas zu ändern. Da nun auch kein anderer Korpskommandant etwas geredet oder diesen meinen Vorschlag unterstützt hätte, so blieb es bei der Ausführung nach der erhaltenen, erwähnten Disposition und jedweder Korpskommandant verfügte sich zu seinem Armeekorps. Nach der von S. K. H. dem E. H. Generalise, mir gegebenen Antwort sollte man urteilen, daß der Hauptoperationsplan schon in Wien wäre entworfen und bestimmt gewesen und daß man von demselben nun nicht ab- gehen könne, obwohl es genug erweislich, daß meine vorgeschlagene Operation der nun schon einmal in Bayern zu operieren bestimmt wordenen Armee ganz sicher auf alle Art Vorteile gebracht haben würde. Allein die Folge wird zeugen, daß dieser oder ein solcher festgesetzter Operationsplan nicht bestanden habe, weil die Operationen der Armee sich selbst nach den kleinsten Gegenständen alle Tage veränderten. Nach dieser, den 8. April erhaltenen Disposition, war es dann entschieden, daß der 10. April zum Übergang über den Inn und folglich zur Kriegserklärung bestimmt gewesen. Ich traf mit dem 6. Armeekorps und dem 2. Reservekorps den 9. bei Braunau ein und traf auch die Veranstaltungen, die Avantgarde den 9. April nachmittags auf dem Platz von Braunau aufzustellen. Obwohl nun unsere Bewegungen kein Geheimnis mehr sein können, so wurde bayrischerseits bei Braunau keine andere Vorkehrung getroffen, als daß der Mautner, welcher auf der Halbscheid der Innbrücke am Gatter seine Mauthütte hatte, diese Gatter geschlossen und die jenseits aufgestellt gewesenen 2 bayrischen Chevauxlegers in einem Karree fortgeritten, zweifelsohne um von unserer Versammlung