Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 16. (1963)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

484 Walter Pillich zogen worden war, ohne hiefür, wie bei anderen kaiserl. Bedienten, ein Äquivalent erhalten. Daher hatte der Vater alles verbraucht und sie mittellos hinterlassen. Die Schwester sei „ganz defectuos“ und könne daher ihr Brot nicht selber verdienen. Bescheid, daß das Gesuch abgewiesen wurde, weil die meisten der vier Kinder bereits großjährig und sich selbst erhalten könnten und die eine Tochter durch eine Heirat beim erzherzoglichen Hof in Brüssel versorgt sei. Weiters sei ihr Vater ein nicht in der „Hof-Ordi- nanz“ gestandener Kammerkünstler gewesen, für dessen Kinder, wenn sie nicht ganz mittellos seien, die Pension nicht gewährt werde. f. 68 v — 69 v. 380 1728 März 21, Wien. Francisca della Motta, Witwe nach dem 1720 verstorbenen kaiserl. Edel- knaben-Ingenieur, 64 Jahre alt, erhält jährlich 500 Gulden Pension für sich und ihre 5 unversorgten Enkeln oder Tochterkinder und hat am 6. September 1726 gebeten, der Kaiser möge noch zu ihren Lebzeiten bestimmen, wieviel von ihrer Pension für ihre 5 elternlosen Enkel zu deren Erziehung und Unter­halt belassen werden würde. Franciscus della Motta habe den regierenden Káiser (Karl VI.) in der Ingenieurkunst unterrichtet. Bescheid, daß bei Absterben der Bittstellerin der Vormund der Enkelkinder unter Angabe ihres Alters ein Gesuch anher einbringen müsse, um eine zulängliche Pension bis zu deren Großjährigkeit aussetzen zu können. f. 70 r — 71 r. 381 1728 April 21, Wien. Intimatum ad Cameram Aulicam betreffend die Verwahrung der vorhan­denen 58 Medaillen-Prägestempel im kaiserl. Münzhaus unter der Schlüssel­gewalt des Oberstkämmerers und unter der Aufsicht bei etwaigen Nach­prägungen durch den Obermedailleur Richter. f. 114 v, 115 r. 382 1728 April 26, Wien. Besetzung der Stelle des Theatral-Garderobe-Inspectoris nach dem am 3. April 1728 verstorbenen Johann Baptist Vitali, durch den Fabio Zily, Kammerdiener des Direttore della Musica, Luigi Pio di Savoia, der am 24. Dezember 1727 eine Exspektanz hiefür erhielt. Als zweiter Bewerber um diese Stelle trat Ferdinand von Klonberg, Hoflieferant von 1713 bis 1723, auf. Nach dem Gutachten des Musikdirektors Pio di Savoia sei Klon­berg schon zu alt und kränklich und wäre daher kaum imstande, mehrmals im Tage zum Dissegnatore Bertoli in den vierten Stock hinauf zu gehen. Auch wäre er nicht sprachenkundig und hätte seinen Handel so schlecht betrieben, daß er zu Grunde ging und daher auch der kaiserl. Theaterwirt­schaft nicht gewachsen wäre. Dagegen sei Fabio Zily erst 36 Jahre alt, spreche außer deutsch noch französisch und „wällisch“ und war schon drei Jahre bei Vitali Mitarbeiter. Zily war 11 Jahre Kammerdiener bei Musik­direktor Pio di Savoia und wäre schon auf Grund seiner Exspektanz zu empfehlen. Er soll zwar nicht sogleich die Jahresbesoldung Vitalis von 800 Gulden erhalten, zuerst könnten 2 bis 300 Gulden hievon eingespart werden. Res.: „Placet mit fürjezt 600 Gulden“. f. 115 r —118 v. 383 1728 April 26, Wien. Matthias Joseph Katzler um Aufnahme als besoldeter kaiserl. Hofvergolder; er hat auf Anordnung des General-Hofbaudirektors Graf von Althann seit 8 Jahren in der Kaiserin Kabinett- und Spiegelzimmer, ebenso in der kaiserl. Galerie und Bibliothek nach Bedarf Vergolderarbeiten geleistet. Er ver­pflichte sich zur beständigen Erhaltung seiner Arbeiten, diese alle Jahre

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