Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

MISKOLCZY, Julius: Das Institut für ungarische Geschichtsforschung in Wien und seine Publikationen

Rezensionen 609 wart verwendet werden, sowie deren Prüfung- auf deren tatsächliche Ver­wendung“ (S. 9). Es geht also nicht darum, Neuland historiographisch zu erschließen — das meiste, was der Autor bringt, ist bekannt und seine Darstellung beruht auch im wesentlichen nur auf gedrucktem Material —, sondern es geht dem Verfasser offensichtlich darum, die einzelnen Fakten, d. h. föderalistische Lösungen beziehungsweise Projekte, möglichst voll­ständig zu sammeln, zu klassifizieren, die diesbezügliche Literatur darüber anzugeben und dann im einzelnen oder gruppenweise einer „Wertung“ zu unterziehen. Das juristische, verwaltungsrechtliche, beziehungsweise staatsrechtliche Interesse des Autors steht hierbei im Vordergrund, was wegen des prä­zisen Nachweises der einschlägigen Texte in den verschiedenen Gesetzes­sammlungen stellenweise sehr angenehm empfunden wird. Freilich fällt manches andere dem gegenüber etwas gedrungen aus. Die „geographisch­politischen Voraussetzungen“ umfassen nicht mehr als 6 Seiten und die Kenntnis der gesamten geistigen Situation, die hinter den einzelnen „Dokumenten“ und Projekten steht, muß der Leser wohl oder übel von zu Hause mitbringen. Er ist sich daher auch mitunter nicht ganz sicher, ob er bei manchen Formulierungen dem Autor blindlings folgen darf. Ob z. B., wie der Verfasser meint, die Sozialdemokraten seit dem Brünner Programm wirklich als staatserhaltende Partei zu betrachten seien (S. 106) ? Sie haben es zwar manchmal von sich behauptet, aber das muß deswegen noch kein Glaubenssatz sein. Fraglich ist etwa auch, ob die „Großösterreicher“ tatsächlich „konservative Föderalisten“ waren (S. 115) und nicht doch, zum Teil wenigstens, recht revolutionären und zentralisti­schen Gedankengängen huldigten? Aber wie gesagt, darauf kommt es hier nicht so sehr an. Vielleicht auch gar nicht in erster Linie auf die „Quintessenz“, die abschließend aus dieser Analyse gezogen wird, sondern, zumindest für den Historiker, darauf, daß nun auch in deutscher Sprache eine kurze, klar gegliederte Zusammen­stellung der verschiedenen föderalistischen Versuche und Projekte vorliegt, aus der man dann an Hand der Literaturhinweise leicht zusätzliche Be­lehrung holen kann, was bisher nur bei der bekannten Arbeit von R. A. Kann, The multinational Empire, möglich war, an die die vorliegende Arbeit auch stellenweise erinnert, wenngleich ihr Autor zu dem Werk Kanns einzelne kritische Anmerkungen macht. Joh. Christoph Allmayer-Beck (Wien). C z e i k e Felix, Liberale, christlichsoziale und sozialdemokratische Kommunal­politik (1861—1934). Dargestellt am Beispiel der Gemeinde Wien. (Öster­reich-Archiv). Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1962. 118 Seiten. Das vorliegende Bändchen der für die Vertiefung der Kenntnis der österreichischen Geschichte so verdienten Reihe behandelt im knappen Rahmen, jedoch mit hinlänglicher Ausführlichkeit die verschiedenen grund­legenden Änderungen, die die Verwaltung der Stadt Wien von 1861 bis 1934 erfahren hat. Es geht dem Verfasser, der Beamter am Archiv der Stadt Wien ist, dabei nicht so sehr um eine Verfassungs- und Verwaltungs­oder politische Geschichte, sondern hauptsächlich um die Behandlung der Mitteilungen, Band 15 39

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