Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

MISKOLCZY, Julius: Das Institut für ungarische Geschichtsforschung in Wien und seine Publikationen

602 Rezensionen der schweren Krise, in der sich das Habsburger-Reich beim Tode Josephs II. befand, sein Nachfolger innerhalb von kaum zwei Jahren das Staatswesen so weit festigen konnte, daß es die schwere Belastung der Revolutionskriege und der napoleonischen Epoche ohne wesentliche innere Erschütterungen überstand. In diesem Zusammenhang nimmt, wie auch sonst in der österreichischen Geschichte, das Königreich Ungarn eine Sonderstellung ein, und die spezi­fischen Probleme der Zeitenwende, vor allem das Neben- und Gegeneinander von Absolutismus, altständischem Libertätsstreben und beginnendem Libe­ralismus und Konstitutionalismus sind hier auf eine sehr eigentümliche Weise gestellt. Da die Behandlung dieser Probleme bisher vorwiegend von magyarischen Historikern vorgenommen wurde, ergab sich insofern eine unbefriedigende Situation, als diese magyarischen Historiker trotz ihrer unleugbaren großen Verdienste doch stets begreiflicherweise die Probleme fast ausschließlich aus ungarischer Sicht und nicht aus der des Gesamt­staates behandelten, während für die deutsch-österreichischen Historiker vielfach schon mangelnde Sprachkenntnis eine nahezu unüberwindliche Schranke aufrichtete. Aus allen diesen Gründen ist die Arbeit von Denis Silagi, der bald, gleichsam als Fortsetzung, eine Studie über die „Jakobiner-Verschwörung“ folgen wird, besonders zu begrüßen. Aufbauend auf den Untersuchungen und Editionen von Fraknói, Mályusz, Marczali und Benda, vor allem aber auf Grund eigener archi- valischer Studien, sucht der Autor zu erweisen, daß es sich bei dem Kom­plott der „ungarischen Jakobiner“ weit mehr um ein Ereignis im Rahmen der Wiener Kabinettspolitik, als um eine Angelegenheit des weiteren Feldes sozialer und nationaler Krisen in der Monarchie handelte. „Die Verschwö­rung war keine erste noch schwache Regung von Aufkommendem, sondern ein letzter mißgeleiteter Ausläufer des aufgeklärten Absolutismus in Öster­reich-Ungarn“. Was der Autor über das „leopoldinische Wurzelwerk“ der Jakobinerver­schwörungen darlegt, ist einmal für die überlegene Ungarn-Politik Leo­polds II., zugleich aber auch hinsichtlich des geheimen Mitarbeiterkreises dieses Herrschers höchster Beachtung wert. So fällt etwa auch auf die Ge­stalt des vielgeschmähten Professors Leopold Alois Hoffmann, des bekann­ten publizistischen Mitarbeiters des Kaisers, neues Licht, das über die bis­herige Kenntnis dieser interessanten Figur hinausführt. Besonders dan­kenswert ist der Dokumentenanhang, der u. a. ein Schreiben Leopolds an Maria-Theresia vom Sommer 1778 enthält, mit dem bemerkenswerten Satz: ,,... und so wird ein mäßiger Aufstand der Bauern dem Staate nützlich seyn, um die Großen zu demüthigen“, ferner Eingaben Hoffmanns, Wat- teroths und anderer Mitarbeiter Leopolds über den geheimen Dienst, den Plan einer geheimen patriotischen Assoziation, sowie zur Gründung einer neuen staatstreuen Freimaurerloge in Pest. Mit Recht weist Silagi darauf hin, daß in der ganzen Monarchie in jener Zeit ähnliche Bestrebungen fest­zustellen sind, die einerseits von der Spitze, also von Leopold selbst, ange­regt wurden, andererseits aber doch auch wohl Ausdruck einer allgemeinen

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