Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)
MISKOLCZY, Julius: Das Institut für ungarische Geschichtsforschung in Wien und seine Publikationen
Rezensionen 603 Erregung waren, die durch die französische Revolution und die von den Gegnern der Freimaurerei erhobenen lauten Anklagen genährt wurde. Adam Wandruszka (Köln). S i 1 a g i Denis, Jakobiner in der Habsburger-Monarchie. Ein Beitrag zur Geschichte des aufgeklärten Absolutismus in Österreich. Wiener historische Studien, hrsgg. von Karl Eder, Hugo Hantsch und Hans Kramer, Band VI. Verlag Herold, Wien—München 1962, 247 Seiten, 4 Tafeln. Die Ergebnisse der zahlreichen Arbeiten, die besonders zur ungarischen Jakobinerverschwörung erschienen sind — hervorgehoben seien die ausgezeichneten Quelleneditionen von Mályusz und Benda — werden im vorliegenden Band zusammengefaßt und um die österreichischen Ereignisse und nicht unbedeutende Quellenfunde vermehrt. Dabei bildet das vorausgegangene Werk Silagis, „Ungarn und der geheime Mitarbeiterkreis Kaiser Leopolds II.“, Südosteuropa-Archiv 57, München 1961, den Ausgangspunkt, der hier nochmals in größerem Zusammenhang als Vorgeschichte wiederholt wird, dessen vorherige Lektüre zum genaueren Verständnis aber empfohlen werden muß. Das größte Interesse erweckt natürlich die im hier rezensierten Werk dargestellte eigentliche Verschwörung in den Jahren 1794 und 1795. In der ausgezeichnet und flüssig geschriebenen Darstellung wirken die überraschenden und fast unglaubwürdigen Ereignisse wie ein Kolportageroman. Da die ungarisch geschriebenen Arbeiten den österreichischen Historikern meist unzugänglich sind, ist das Verdienst Silagis für uns ein doppeltes: Die reizvolle Darstellung und die Einführung in ein lange verborgen gebliebenes, nun durch zahlreiche Vorarbeiten und die wohl vollständige Erfassung der Quellen erhelltes und trotzdem rätselhaftes Gewirr von Intrigen, Geheimbünden und Spitzelwesen, wie es nur in einer Zeit völligen Umbruchs Zustandekommen konnte: Ein Kaiser, der „weit über Joseph II. hinausreichende Reformpläne“ mit Hilfe anonymer aufwiegelnder Flugschriften und geheimer Emissäre durchführen wollte, Werkzeuge, wie der berüchtigte Abt Martinovics, die mit einem Lügengespinst ohnegleichen nach allen Seiten Verwirrung stiften, die Aufdeckung eines gar nicht existierenden Illuminatenbundes vorgeben und dabei die vorgeblichen Verschwörer aus dem Staatsschematismus abschreiben, ein kaiserlicher Offizier, der eine selbsterfundene, wenn auch höchst harmlose Kriegsmaschine den Schreckensmännern in Paris zur Verfügung stellt und mit Hilfe eines Blutbades die Wiener führende Adelsschicht beseitigen will, eine ganze Flut von geheimer Agitation, gegenseitigem Mißtrauen, Doppelspiel und Phantasterei. Da alles sorgfältig aus den Akten nachgewiesen ist, kann an der Tatsächlichkeit dieser Vorgänge nicht gezweifelt werden. Im Mittelpunkt der Darstellung steht der Titularabt von Szászvár, Ignaz von Martinovics, zu dessen Ehrenrettung die neuesten ungarischen Untersuchungen angestellt wurden, der sich dann als lügenhafter Phantast, Denunziant und Wirrkopf, nicht ganz im Sinne der Forscher, erwiesen hat. Ähnlich wie bei Ignaz Aurel Feßler oder dem Schwaben Franz Xaver Bronner handelt es sich um einen entsprungenen Mönch, der die wissen