Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

WINTER, Otto Friedrich: Österreichische Pläne zur Neuformierung des Reichstages 1801–1806

Österreichische Pläne zur Nenformierung des Reichstages 1801'—1806 301 torialgesandten Freiherrn von Albini zu erforschen und sie zu einer Stel­lungnahme für Österreich zu bewegen, aber auch Fahnenberg berichtete eingehend über seine Unterredungen mit dem Kurerzkanzler und Albini, die sich sehr höflich zeigten, aber nicht auf den österreichischen Stand­punkt festlegen ließen109). Auch mit verschiedenen protestantischen Gesandten, die durch die Verzögerung ihrer Stimmenabgabe gezeigt hat­ten, daß sie nicht absolut gegnerisch eingestellt waren — z. B. die Meck­lenburgs, Dänemarks, Kursachsens oder Kurhannovers u. a. -—• hatte Graf Stadion Unterredungen, die ihn so befriedigten, daß er die Sache noch keineswegs für in negativem Sinne entschieden hielt. Von der Staatskanzlei wurde ihm für diese diplomatische Aktivität die Anerken­nung ausgesprochen 110 111). Freiherr von Hügel schaltete sich in diese Ver­handlungen mit solchem Eifer ein, daß er erst am 3. Dezember Zeit fand, darüber zu berichten. Auch er hielt — trotz der bisherigen, ungünstigen Abstimmungen — eine Annäherung für möglich, wenn die Überzeugung durchdringe, „daß die Sache nur durch Nachgiebigkeit einen Ausgang gewinnen könne“ lu). Die am 2. Dezember nach wieder eröffneter Beratung abgelegten Vota — Salzburg mit Eichstätt und Berchtesgaden, Dietrichstein, Fürsten­berg, Schwarzenberg und schwäbische Reichsgrafen in kaiserlichem Sinne, Sachsen-Koburg (wenn auch mit Varianten), wetterauische und fränkische Grafen auf protestantischer Seite — hatten zwar das Stim­menverhältnis für die Anhänger des Hofdekretes etwas günstiger ge­staltet, aber auch mit Erhöhung der Stimmenzahl auf 41 die absolute Mehrheit für die Ablehnung desselben im Sinne Preußens herbeige­führt112). Am 9. Dezember votierte im Kurfürstenkolleg Hessen-Kassel —- in preußischem Sinne — und Kursalzburg, das einen Antrag auf neue Stimmen als Nachtrag zu seiner grundsätzlich bejahenden 1. Abstim­mung vom 2. Dezember mitteilte; im Fürstenrat wurden auf katholischer Seite die Stimmen Hoch- und Deutschmeister, Arenberg, Thurn und Taxis und Lobkowitz, auf protestantischer Hessen-Kassel mit Hersfeld, Meck­lenburg-Schwerin mit den zugehörigen Voten, Mecklenburg-Strelitz 109) Berichte Stadions vom 21. und 22. November 1803, a. a. 0., und Fahnen­bergs vom 20. und 25. November, a. a. O., sowie vom 2. Dezember 1803, StK., Regensburg, österr. Gesandtschaft, Berichte, Fasz. 241, fol. 334—335. 110) Berichte Stadions vom 25. und 27. November und vom 3. Dezember 1803, StK., Regensburg, böhmische Gesandtschaft, Berichte, Fasz. 152, fol. 67 bis 74 bzw. 77—82 und 114—135. Weisung vom 28. November 1803, StK., Re­gensburg, böhmische Gesandtschaft, Weisungen, Fasz. 7, fol. 263. 111) Bericht vom 3. Dezember 1803, a. a. O. 112) Bericht Hügels vom 3. Dezember 1803, a. a. O., Berichte Fahnenbergs vom 2. und 4. Dezember 1803 (letzterer mit Abdruck des Protokolls als Bei­lage), StK., Regensburg, österr. Gesandtschaft, Berichte, Fasz. 241, fol. 334—335 bzw. 368—378. Bericht Stadions vom 5. Dezember 1803, StK., Regensburg, böhmische Gesandtschaft, Berichte, Fasz. 152, fol. 136—146 (ebenfalls mit ge­drucktem Fürstenratsprotokoll als Beilage). Sc helhaß, a. a. O., S. 109—111.

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