Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)
SPRUNCK, Alphonse: Prinz Eugen als Generalstatthalter der österreichischen Niederlande
132 Alphonse Sprunck 1721 die Witwe und die Töchter des frühem Stadtkommandanten von Ath, Ripperda, dem Wohlwollen des Kaisers empfahl, schlug Eugen am 2. Juli vor, ihnen keine regelmäßige Pension, aber eine gelegentliche Unterstützung zu gewähren. Besondere Schwierigkeiten hatte der Prinz mit dem Grafen Eugen Johann Philipp von Merode-Westerloo, der ihn auch in mehreren Kapiteln seiner Memoiren scharf angegriffen hat24). Ende 1718 hatte dieser die Auszahlung von 70.000 Gulden verlangt als Lohn für seine Teilnahme an Sitzungen eines Rates, den die mit dem Kaiser verbündeten Mächte 1706 in den Niederlanden grgründet hatten 25). Schon am 21. Jänner 1718 hatte die Brüsseler Finanzverwaltung diese Forderung für unberechtigt erklärt. Eugen schrieb dem Kaiser am 4. Jänner 1719, er selbst wolle diese Frage nicht untersuchen, doch sei in der Verwaltung der niederländischen Finanzen eine äußerste Sparsamkeit geboten, um dort eine genügende Zahl von Truppen unterhalten zu können. Prié hatte in einem seiner letzten Briefe den Monarchen um eine Unterstützung für die niederländischen Finanzen gebeten. Frühere Anhänger des Herzogs Philipp von Anjou durften sich bis Mai 1716 durch Leistung eines besonderen Treueides mit Karl VI. aussöhnen. Noch im Jahre 1719 ließ der Generalstatthalter einige verdächtige Fälle durch den Staatsrat untersuchen. Einer Flugschrift, in der mehrere Familien des hohen Adels angegriffen wurden, maß Eugen keinerlei Bedeutung bei. Merode-Westerloo erzählt in seinen Memoiren 26), der Prinz habe ihm 1716 feierlich versprochen, ihn zum Gouverneur der Provinz Luxemburg zu ernennen. Aber diese Stellung erhielt Feldmarschall Graf Gronsfeld, ein früherer Waffenbruder des Prinzen. Dieser hatte erklärt, sich mit einem Gehalt von 20.000 Gulden zu begnügen. Als er aber später eine Erhöhung forderte, schlug Eugen dem Kaiser am 9. Juli 1717 vor, ihm sie zu verweigern aus Rücksicht auf die schlechte Finanzlage der Niederlande, und da auch sein Vorgänger sich mit dieser Summe begnügt hatte. Nach dem Tode des Grafen Gronsfeld im Jahre 1719 erwartete Merode-Westerloo noch einmal, das Kommando der Festung Luxemburg und die Statthalterschaft dieser Provinz zu erhalten. In einem Bericht an den Monarchen vom 3. Mai 1719 erklärte Eugen, das Kommando in dieser Festung, die zu den wichtigsten Europas zählte, sei ein Vertrauensposten, zumal da die schlechte Lage der Finanzen vorläufig keine Reparatur ihrer Werke erlaube. Auch erklärte er, die Verwaltung einer Provinz erfordere besondere Geschicklichkeit, um dort die Finanzlage zu bessern, die Rechte des Herrschers zu wahren und in diesem Falle auch gute Beziehungen zu den Nachbarstaaten zu unterhalten. Unter den Be24) Biographie Nationale de Belgique, XIV, S. 539—545. Artikel von Duchesne. 25) Pirenne, 3. Band, S. 68 f. 26) Mémoires du Comte de Merode-Westerloo, 1. Band, S. 128.