Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

SPRUNCK, Alphonse: Prinz Eugen als Generalstatthalter der österreichischen Niederlande

130 Alphonse Sprunck Steuern auch in Brabant und andern Provinzen einzuführen, sowie alle Pächter zu einer Gesellschaft zu vereinigen, um so die Betrügereien in den einzelnen Provinzen zu verhindern und die Bezahlung vieler Beamten zu ersparen. Um den Widerstand der Stände zu brechen, mußte er jedoch sehr vorsichtig zu Wege gehen. Der Prinz riet dem Kaiser, Prié vorläufig bei seinen Plänen betreffend die Provinz Hennegau zu unterstützen. Er wollte vor allem jährlich eine bestimmte Summe für den Unterhalt der kaiserlichen und holländischen Truppen in den Niederlanden sicherstellen. Der Vorschlag betreffend die Verpachtung der Steuern in den andern Pro­vinzen und die Errichtung einer Pachtgesellschaft sollten in der Konferenz genau besprochen und vor den Belgiern im flandrischen Rat geheim ge­halten werden. Mit den niederländischen Adeligen hatte Eugen viel zu tun; ein großer Teil von ihnen war, wie auch aus den Memoiren des Grafen Eugen Karl Philipp von Merode-Westerloo hervorgeht, der österreichischen Herrschaft wenig freundlich gesinnt, viele hatten die Sinnesart ihrer Vorfahren aus dem feudalen Zeitalter beibehalten. Im Dienste des Königs von Spanien standen immer noch wallonische Offiziere. Am 3. Juni 1722 billigte Eugen in einem Brief, den er dem Kaiser auf geheimem Wege zusandte, dessen Absicht, durch seinen Gesandten in Genua genauere Auskünfte über sie einzuziehen. Der Prinz vertrat die Ansicht, der Monarch müsse ohne jede Rücksicht vor allem seine treuen Anhänger belohnen. In einem Gesuch um eine Pension zu Lasten der Provinz Limburg hatte die Gräfin de Bourlie vorgebracht, ihr verstorbener Gatte sei wegen seiner kaiserfreund­lichen Haltung mehrere Jahre Gefangener in der Pariser Bastille gewesen; da hierfür keine Beweise gefunden wurden, schlug Eugen dem Kaiser am 13. April 1717 vor, dieses Gesuch abzulehnen und überhaupt ähnliche Pensionen, die jährlich ausbezahlt wurden, nach Möglichkeit abzuschaffen. Für die Taufe seines Sohnes hatte der Herzog Leopold Philipp Karl Joseph von Arenberg21) im Jahre 1722 ein besonderes Zeremoniell bean­sprucht. Durch einen Brief auf geheimem Wege vom 11. November riet der Generalstatthalter dem Kaiser, in diesem und in ähnlichen Fällen die Ehrenvorrechte des belgischen Adels zu achten, aber keinerlei Geschenke zu machen. Am 15. Jänner 1717 hatte Karl VI. dem Grafen Valsassine befohlen, sich nach der Provinz Limburg als Statthalter zu begeben. Dieser forderte als rückständiges Gehalt 49.400 Gulden aus der Kasse der Pro­vinz. Mit Prié war Eugen einverstanden, daß Valsassine bei der schlechten Finanzlage dieses Landes sein Geld nur ratenweise erhalten könnte. Von 2 2i) Dieser Herzog hatte schon während des spanischen Erbfolgekrieges von Karl VI. hohe Auszeichnungen erhalten. Unter Eugen hatte er 1716 am Türken­kriege teilgenommen. Im Jahre 1744 beauftragte ihn Maria Theresia mit diplo­matischen Verhandlungen in Holland und England. Sein Sohn Karl Maria Raimund zeichnete sich aus im österreichischen Erb­folgekrieg und im siebenjährigen Krieg. Biographie Nationale de Belgique, I, S. 411—426. Artikel von Gachard.

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