Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

SPRUNCK, Alphonse: Prinz Eugen als Generalstatthalter der österreichischen Niederlande

Prinz Eugen als Generalstatthalter der österreichischen Niederlande 123 lung hoher Geldsummen dürfte nicht als Anzeichen von Ungehorsam oder schlechtem Willen gedeutet werden. Prié fühlte sich über die Haltung Eugens in dieser Angelegenheit beleidigt; dieser bedauerte, daß die Zah­lung nicht einfach durch einen Notar geschehen war, um Klagen über die Ausfuhr von Geldern ins Ausland zu verhüten. Für das Jahr 1717 wies der staatliche Haushalt der österreichischen Niederlande ein Defizit von 2,238.486 Gulden auf; viele Ausgaben waren noch nicht beglichen, die Einnehmer der Domänen und der Aus- und Ein­fuhrzölle hatten hohe Vorschüsse gemacht. Der Prinz wollte um jeden Preis die Verteidigung der Niederlande durch eine genügende Truppenzahl und die Ausbesserung der Festungen sichern. In einem Schreiben vom 5. März 1717 an Karl VI. bat der Generalstatthalter, die niederländische Finanz­verwaltung nicht mit Pensionen oder andern Ausgaben zu belasten. Im Jahre 1721 überstiegen die staatlichen Ausgaben in den Nieder­landen die Einnahmen um 1,623.294 Brabanter Gulden 14 Stüber. Eugen wollte in keinem Fall die Zahl der Truppen in diesen Provinzen vermindern. Der bevollmächtigte Minister schug vor, die kaiserlichen Domänen zu ver­pachten. Auf diese Weise würden viele Gehälter und andere Unkosten weg­fallen und die Einnahmen aus diesem Besitz um 60.000 Gulden erhöht werden; jedoch mußte er rechnen mit dem Widerstand der Finanzverwal­tung und der Rechnungskammer, da deren Mitglieder aus der bestehenden Lage Vorteile zogen. Auch Eugen erklärte dem Kaiser in einem Schreiben vom 4. Oktober 1721 diesen Plan als vorteilhaft für den kaiserlichen Schatz. Eine Verpachtung der Gebühren für die Aus- und Einfuhr von Waren hatte diese Einnahmen ebenfalls erhöht. Aus einem andern Bericht des Generalstatthalters an Karl VI. vom 8. November 1721 geht hervor, daß in diesem Jahr die Summe der Ein­nahmen für die niederländischen Provinzen 7,620.760 Brabanter Gulden, 16 Stüber und 7 Heller, die der Ausgaben 9,244.054 Gulden, 17 Stüber betrug. Eugen erklärte dieses Defizit durch die schwierige Lage während des Krieges, als die Regierung dieser Länder Vorschüsse machen und Güter verkaufen mußte. Hauptursache aber war die Erhöhung der Truppen­zahl zur Sicherung der Niedelande. Außer den Kosten für den Unterhalt von 18.000 bis 21.000 Mann kaiserlicher Truppen mußten die österreichi­schen Niederlande jährlich 1,456.000 für die holländischen Garnisonen der Barrierefestungen bezahlen14), obgleich das von Frankreich abgetretene Gebiet15) dem Staatsschatz nur einen Reinertrag von 856.000 Gulden lie­ferte. Aus dem Bericht von Fraula, dem Generaldirektor der Finanzen, ging hervor, daß der Kaiser außergewöhnliche Zahlungen für 425.865 Gul­den auf diese angewiesen hatte. Die Brüsseler Regierung hatte schon aller­14) Diese Festungen waren Namur, Tournai, Menin, Furnes, Warneton, Ypern und das Fort Knocque; kaiserliche und holländische Truppen waren in Termonde. !5) Einzelheiten über diese Gebietsabtretungen im Werk von Pirenne, S. 76.

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