Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)
SPRUNCK, Alphonse: Prinz Eugen als Generalstatthalter der österreichischen Niederlande
122 Alphonse Sprunck Seit mehreren Jahren hatten die Schützen und Hellebardenträger der kaiserlichen Garde in Brüssel Streit mit den Ständen von Brabant wegen der Steuerfreiheit ihrer Häuser. Auf Angebote der Stände, diesen Konflikt auf gütlichem Wege zu regeln, hatten die Offiziere immer geantwortet, sie hätten geschworen, die Privilegien ihres Korps zu verteidigen; die Steuerfreiheit ihrer Häuser sei nur ein Teil ihres knappen Soldes. Prié hatte am 30. August 1721 erklärt, er wolle kein Vorrecht antasten, das die Soldaten der Garde schon von den Vorgängern Karls VI. erhalten hatten, doch würden diese davon Mißbrauch machen, indem sie Häuser bewohnten, die ihrem Rang nicht entsprachen, und auch Handel betrieben. Eugen riet dem Kaiser am 1. Oktober 1721, das Vorrecht der Garde nicht formell abzuschaffen, aber den Brabanter Ständen zu erlauben, von ihnen eine vernünftige Abgabe zu fordern, zumal da die Taxe auf Häuser in Brüssel auch von Klerus und Adel gefordert wurde. Am 9. Dezember 1719 meldete der Prinz dem Monarchen auf geheimem Wege, daß Prié durch geschickte Verhandlungen mit den flandrischen Ständen eine Unterstützung von 20.000 täglichen Rationen für die Truppen erlangt hatte, trotz der großen Dürre und einer schlechten Flachsernte; auch in günstigen Jahren hatten sie vorher niemals soviel bewilligt. Da die Unternehmer für die Lieferung von Lebensmitteln ihre Preise willkürlich erhöhen wollten, hatte Prié mit Walkiers, einem erfahrenen und tüchtigen Manne, einen Vertrag abgeschlossen. Eugen riet dem Kaiser, dem bevollmächtigten Minister für dies alles seine Zufriedenheit auszusprechen. Als Prié dem Prinzen bald nachher einen Vorschlag zusandte, die Ausfuhr von Korn aus den niederländischen Provinzen einzuschränken, riet der Prinz am 16. Dezember 1719 dem Monarchen, auch für dieses Land allgemeine Maßnahmen zu treffen, um ihre beständige Versorgung mit Korn sicherzustellen, ohne jedoch die Freiheit des Handels zu sehr einzuschränken. Prié hatte die Bibliothek des Freiherrn von Hohendorff für einen hohen Preis ankaufen lassen; darüber hatte er dem Kaiser Bericht erstattet. Eugen schrieb am 22. Juni 1720, die finanzielle Lage der Niederlande sei sehr schwierig und erfordere äußerste Sparsamkeit. Die holländischen Generalstaaten erhielten jährlich hohe Summen an Zinsen und ein Subsid für ihre Garnisonen. Der Unterhalt der deutschen und belgischen Truppen, die zusammen 21.000 Mann stark waren, kostete viel Geld, die Verteidigung der Niederlande war bei der augenblicklichen Lage in Europa sehr wichtig. Auf persönliche finanzielle Vorteile aus diesen Provinzen hatte Eugen verzichtet, trotzdem auch die frühere spanische Regierung ihren Statthaltern solche zukommen ließ. Der Prinz hatte schon versucht, einige Schulden abzahlen zu lassen und für andere eine Erniedrigung des Zinsfußes zu erlangen; einige zerfallene Festungen waren wieder im Aufbau. Um den Ankauf der Bibliothek wollte Eugen sich nicht kümmern, aber er erklärte dem Kaiser bei dieser Gelegenheit, eine Verzögerung der Auszah-