Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)
SPRUNCK, Alphonse: Prinz Eugen als Generalstatthalter der österreichischen Niederlande
120 Alphonse Sprunek hätten sie auf alle Fragen eine befriedigende Antwort erhalten können 12). Prié hatte dem Prinzen schon vorher alle Angaben zugesandt, die er über diese Zeremonien in der spanischen Zeit in den Archiven gefunden hatte. Eugen riet dem Kaiser, diese Huldigungszeremonien möglichst bald abhalten zu lassen, um das Volk der niederländischen Provinzen enger an seinen neuen Herrscher zu knüpfen. Da die holländischen Generalstaaten anschein- lich zu einer Abänderung des Barrierevertrags bereit waren, schlug der Prinz dem Monarchen vor, diese Gelegenheit im Interesse seiner Untertanen zu benutzen. Um dieselbe Zeit weigerten sich die Vorsteher der Brüsseler Zünfte, einen Eid zu leisten, den ihnen Max Emmanuel von Bayern 1700 als Statthalter der spanischen Niederlande auferlegt hatte13). Eugen riet dem Kaiser am 19. Dezember 1717, eine von Prié vorgeschlagene Maßnahme durchzuführen, aber von jeder Bestrafung der widerspenstigen Brabanter abzusehen, um die neuen Untertanen mit Milde für sich zu gewinnen. Der bevollmächtigte Minister schlug im Jänner 1718 vor, eine französische Übersetzung des betreffenden kaiserlichen Schreibens dem Kanzler von Brabant zu übersenden, damit dieser sie im Falle einer absoluten Notwendigkeit einem Vertreter jeder Zunft vorzeigen könnte. Der Prinz riet dem Monarchen am 2. Februar, diesen Streit möglichst bald zu regeln; falls er den Schuldigen Gnade gewähren wollte, fand Eugen es für die Regierung vorteilhafter, ihnen das betreffende Schriftstück ohne weiteres zu zeigen, um ihnen keinerlei Vorwand zu einer unpassenden Anfrage zu bieten. Auch in einem weitern Brief riet der Prinz dem bevollmächtigten Minister zur Mäßigung in dieser Angelegenheit. Am 13. Juni schrieb Eugen von Belgrad aus an Karl VI., scharfe Maßnahmen zur Unterdrük- kung der Unruhen in Brüssel seien notwendig. Im Oktober 1717 hatte Prié dem Prinzen die Gründe angegeben, warum er verschiedene kaiserliche Verfügungen nicht hatte ausführen lassen. Dieser schrieb am 26. dem Monarchen, er habe dem bevollmächtigten Minister befohlen, in Zukunft alle Bestimmungen zur Ausführung zu bringen. Prié sollte ihren Empfang jedesmal bescheinigen und im Falle einer verzögerten Ausführung genaue Gründe angeben. Am 4. Februar 1721 sandte Prié dem Generalstatthalter einen Bericht über die Ausführung der Ordonanzen, die der Brüsseler Staatsrat seit 1717 erhalten hatte; der bevollmächtigte Minister hatte einen solchen am 20. Jänner von diesem Rate verlangt. Diese Liste war unvollständig. Eugen antwortete Prié, er solle ihm in Zukunft genauere Angaben über die Ausführung der kaiserlichen Verordnungen machen. Prié teilte im Oktober 1718 dem Prinzen mit, zwei kaiserliche Depeschen vom 10. September hätten in den Niederlanden falsche Gerüchte zerstreut, die die Autorität des Monarchen geschädigt hätten. In der einen hatte Karl VI. erklärt, der niederländische Staatsrat hätte nur beratende Stimme. 12) Über den Barrierevertrag, Pirenne, S. 77 und 101 f. is) Ibidem, S. 105 f.