Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

SPRUNCK, Alphonse: Prinz Eugen als Generalstatthalter der österreichischen Niederlande

118 Alphonse Sprunck Am 25. Februar 1719 schrieb der Prinz an den Monarchen, er habe von Prié und vom Herzog von Ursel einen Bericht über einen Zwischenfall er­halten. Trotzdem der kaiserliche Befehl, alle Mitglieder des Staatsrates müßten den Versammlungen beiwohnen, iin öffentlicher Sitzung vorgelesen worden war, war Ursel verboten worden, an diesen vorläufig teilzunehmen. Eugen glaubte, ein scharfer Verweis wäre in diesem Falle besser an der Stelle gewesen, da Ursel auch schon vorher trotz Warnungen ohne jede Entschuldigung Sitzungen des Staatsrates fern geblieben war. Da Prié zu einer solchen Maßnahme berechtigt war, schlug Eugen dem Monarchen vor, Ursel einen scharfen Verweis zu geben und ihm zu erlauben, in Zu­kunft wieder den Sitzungen beizuwohnen. An Prié sollte der Kaiser melden lassen, seine Maßnahme gegen Ursel sei zu strenge gewesen. Da diese An­gelegenheit schon große Erregung hervorgerufen hatte, sollte sie möglichst bald erledigt werden. Am 15. April meldete der Prinz dem Kaiser, Prié habe ihm über das Verhalten von Ursel weitere Mitteilungen gemacht. Die­ser hatte über eine kaiserliche Einnahme, die er leitete, schon seit Jahren keine Rechenschaft abgelegt und seine Nichte willkürlich in einem adeligen Stift untergebracht. Außerdem war Ursel dem Huldigungseid des Klerus und des Adels fern geblieben; sein Angebot, in seinem eigenen Namen einen Eid zu leisten, hatte Prié abgelehnt7). Am 21. Mai 1719 sandte Eugen dem Kaiser einen Bericht von Prié, gemäß dem ein Teil der flandrischen Stände das verlangte außergewöhn­liche Subsid bewilligt hatte; einzelne Mitglieder hatten der Versammlung nicht beigewohnt, während andere die Bitte des Monarchen offen verwei­gert hatten. Am 7. Mai sandte der bevollmächtigte Minister dem flandri­schen Rat einen Bericht über die Weigerung der Brüsseler Handwerker­zünfte, die in den Brabanter Landständen den dritten Stand bildeten, Karl VI. für das laufende Jahr ein Subsid zu bewilligen, das Adel und Geistlichkeit gewährt hatten8). Zu diesen Summen kamen noch Rückstände von zwei vorigen Jahren. In der Sitzung des flandrischen Rates vom 20. Mai wurde diese Meldung besprochen; Don Ramon de Vilena Perlas, Marquis von Rialp, sandte dem Prinzen auf Befehl des Monarchen den Bericht über diese Sitzung zu. In einem Brief an den Kaiser aus dem Lager von Peterwardein vom 29. Mai 1717 erklärte Eugen, alle frühem Berichte des bevollmächtigten Ministers über Schwierigkeiten solcher Art mit den Brabanter Ständen seien vor der Errichtung des flandrischen Rates an Rialp gesandt worden; über solche, die Eugen nachher erhalten hatte, ') Herzog Konrad Albert Karl von Ursel war ein Waffenbruder des Prinzen Eugen in den Kämpfen gegen die Türken und hatte während des Erbfolgekrieges für Karl VI. Partei ergriffen. Bei einer Reise nach Wien im Auftrag der Bra­banter Stände hatte er vom Kaiser eine Auszeichnung erhalten. Artikel von P. Verhaegenin der Biographie Nationale de Belgique, Band 25, S. 924f. Seine Haltung, über die Prié Klage führte, erklärte sich wohl ausschließlich als hartnäckiges Festhalten an alten Adelsprivilegien. «) Pirenne, S. 105—108.

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