Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

SPRUNCK, Alphonse: Prinz Eugen als Generalstatthalter der österreichischen Niederlande

Prinz Eugen als Generalstatthalter der österreichischen Niederlande. Von Alphonse Sprunck (Luxemburg). Bereits im Jahre 1709, als die Truppen Kaiser Karls VI. und seiner Verbündeten den größten Teil der spanischen Niederlande besetzt hielten, hatte der Monarch geplant, den Prinzen Eugen zum Generalstatthalter dieser Provinzen einzusetzen. Die Umstände, unter denen dieser Plan erst am 25. Juni 1716 verwirklicht wurde, hat Arneth in seiner Biographie des großen Feldherrn dargestellt1)- Aber schon in den nächsten Tagen nach seiner Ernennung reiste der Prinz ab nach Futok in Ungarn, um einen Feldzug gegen die Türken zu beginnen. Nach dem Abschluß des Barrierevertrages mit den holländischen Gene­ralstaaten hatte Karl VI. zuerst den Feldmarschall Grafen Lothar von Königsegg am 4. Februar 1716 zu seinem bevollmächtigten Minister in den niederländischen Provinzen ernannt2). Da für den Krieg gegen die Türkei die Dienste des Prinzen Eugen unumgänglich notwendig waren, wurde am 30. Juni 1716 an seiner Stelle Herkules Turinetti, Marquis von Prié, mit dem Titel bevollmächtigter Minister nach Brüssel gesandt. Auf den Vor­schlag des Savoyers hatte der Kaiser für die Regierung der Niederlande eine besondere Behörde, den flandrischen Rat, eingesetzt, in dem spanische Granden, die sich mit dem Bourbonen Philipp V. nicht aussöhnen wollten, die wichtigsten Stellungen einnahmen. Spanisch blieb bis zu seiner Auf­hebung im Jahre 1757 die offizielle Sprache dieses Rates, trotzdem auch Belgier Mitglieder davon waren. Nach der Ansicht des großen belgischen Historikers Henri Pirenne hätte die tatsächliche Ausübung seines Amtes in den Niederlanden weder den Neigungen Eugens, noch den Wünschen der Wiener Regierung entsprochen; Arneth hat nachgewiesen, daß der Savoyer mehrmals die feste Absicht hatte, nach Brüssel zu reisen, aber immer durch seine wichtigen Beschäftigungen im Kriegsrat oder die Ränke seiner Geg­ner an der Ausführung dieses Planes verhindert wurde. Jedenfalls hat der Prinz sich um die Verwaltung der niederländischen Provinzen sehr eifrig gekümmert, wie vor allem hervorgeht aus den Vorschlägen, die er dem 1) Alfred Ritter von Arneth: Prinz Eugen von Savoyen, 3. Band, S. 105 f. Henri Pirenne: Histoire Générale de Belgique, 3. Band, S. 105 f. Ghislaine De Boom: Les Ministres Plénipotentiaires dans les Pays-Bas Autrichiens, S. 13 f. 2) Pirenne, S. 102 f., De Boom, S. 12.

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