Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

SPRUNCK, Alphonse: Prinz Eugen als Generalstatthalter der österreichischen Niederlande

Prinz Eugen als Generalstatthalter der österreichischen Niederlande 115 Kaiser hierüber machte; natürlich war er für seine Ansichten auf die Be­richte von Prié angewiesen 3). Durch die schlechte Verwaltung der Niederlande unter den letzten spa­nischen Habsburgéra und die Wirren des Erbfolgekrieges waren diese Pro­vinzen vollständig erschöpft. Der Barrierevertrag vom 15. November 1715 enthielt mehrere Bestimmungen, die für Karl VI. und seine neuen belgi­schen Untertanen sehr drückend und demütigend waren. Von diesen konnte die Wiener Regierung weder Vertrauen, noch Zuversicht auf eine bessere Zukunft erwarten. Für den Monarchen und seine Mitarbeiter in der Regie­rung der neu erworbenen Provinzen stellten sich vorläufig sehr schwierige Fragen. Die Schreiben des Prinzen an den Kaiser sind fast alle Bemerkun­gen zu Vorschlägen und Berichten, die Prié als bevollmächtigter Minister ihm selbst gemacht hatte; die beiden Register, in denen sie eingetragen sind, reichen vom 24. April 1717 bis zum 31. Dezember 1721 und vom 17. Jänner 1722 bis zum 26. Mai 1723. Der Savoyer verzichtete im Novem­ber 1724 freiwillig auf seine Stellung als Generalstatthalter der Nieder­lande. Als solcher besaß er sehr weitgehende Vollmachten. Durch geheime Anweisungen vom 9. März 1716 war es seinem Vorgänger Königsegg ver­boten, neue Stellungen zu schaffen, sowie Privilegien und Konzessionen zu gewähren. Der bevollmächtigte Minister war dem Generalstatthalter streng untergeordnet; Karl VI. hatte sich aber das Recht Vorbehalten, Prié auf direktem Wege Anweisungen und Befehle zu geben. Zu gleicher Zeit war der Prinz Präsident des Hofkriegsrates und der geheimen Ministerkonferenz4). In den meisten Briefen, die er dem Kai­ser auf geheimem Wege5) übersandte, handelte es sich um Angelegen­heiten, die er den belgischen Mitgliedern des flandrischen Rates verheim­lichen wollte; bei andern läßt sich nicht entscheiden, gegen welche hoch- gestellte Persönlichkeiten er Mißtrauen zeigte. Mit den Verhältnissen in den neu erworbenen niederländischen Provinzen konnte Eugen zuerst natür­lich nur wenig bekannt sein, für die weitere Entwicklung der Lage war er auf die Berichte seines Stellvertreters angewiesen. Seine Bemerkungen hierzu, die er Karl VI. übersandte, zeigen den großen Kriegshelden auch 8) Der Verwaltungstätigkeit des Savoyers in den Niederlanden hat Ameth besondere Kapitel gewidmet im 3. Bande, S. 104—162. In den Anmerkungen dazu bringt er zahlreiche Auszüge aus der Korrespondenz des Prinzen mit Prié und hauptsächlich Mitgliedern des flandrischen Rates. Ibidem, S. 529—546. Zahlreiche Auszüge aus der Korrespondenz von Eugen mit Prié finden sich in den Werken der belgischen Historiker M. Gachard: Les Troubles de la Belgique sous le Regne de TEmpereur Charles VI, und Michel Huisman: La Belgique Commerciale sous l’Empereur Charles VI. Die Register mit den Schreiben des Prinzen an den Kaiser befinden sich im königlich belgischen Staatsarchiv, Österreichische Kanzlei der Niederlande, 36 und 37. 4) Arneth, S. S. 81 und 286—290. 6) Par voye secrete im französischen Text. 8*

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