Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

ERNST, August: Der Hoftag in Eisenstadt 1392

Der Hoftag in Eisenstadt 1392 83 das Vorhaben geeignet schien. Aber auch andere Aspekte dürften zugunsten dieses Ortes gesprochen haben: So vor allem die günstige Lage, die es auch Ausländern, die sich dem Unternehmen gegen die Türken anschließen wollten, ermöglichte, an den Beratungen teilzunehmen. Haben wir auch keine Namensliste über die Teilnehmer dieses Hoftages, so wissen wir doch, daß an dem Feldzug, der hier wahrscheinlich beschlossen oder zumindest besprochen worden ist, die mährischen Markgrafen Jost und Prokop, der in der Steiermark und dem windischen Lande mächtige Dynast Wilhelm Cilly, Herzog Bolko von Oppeln und der Böhme Sternberg mit ihren Rittern und Knechten teilnahmen 13). Andererseits wollte der König wahrscheinlich die Einladung der Kanizsai, die ihm in den schwersten Tagen seines Regie­rungsantrittes beigestanden sind, nicht zurückweisen, zumal bei dieser Ge­legenheit die Vermählungsfeier des jüngsten Sprosses der Kanizsai, Ste­fan IV., stattfinden sollte 14) und Sigismund für derartige lukullische Ver­anstaltungen stets Verständnis aufbrachte. Der König dürfte, von Preßburg kommend, wo er sich schon seit Mitte Jänner 1392 aufhielt15), anfangs Feber in Eisenstandt eingetroffen sein. Am 2. Feber, am Tage Mariä Lichtmeß, urkundet der König erstmalig in dieser Stadt und zwar bekräftigt er eine von den Prälaten und Baronen gutgeheißene Entscheidung seiner Gemahlin Maria zugunsten des Ritters Magister Desew. Die Familiares und Burghauptleute des Leustak und Franz, Söhne des Oliver von Pokus, hatten die im Komitate Trentschin an der Grenze des Königreiches Böhmen gelegene Burg Lednyche in verräteri­scher Weise gegen Geld einem Tschechen namens Henk ausgeliefert, der von dort aus den Untertanen der angrenzenden Herrschaften empfindlichen Schaden zufügte. Da trotz mehrmaliger Aufforderung die Söhne Olivers die Burg nicht zurücklösten, schenkte die Königin Magister Desew Ledny­che mit der Verpflichtung, dieselbe auf eigene Kosten auszulösen 16). Am 6. Feber dürfte die Hochzeit Stefans IV. in der von den Kanizsai errichteten Wasserburg 17) mit einer nicht näher bekannten Ursula 18) statt­gefunden haben, wie dies Nikolaus VI. von Kanizsa in einem Ladungs­schreiben für den Hoftag an den Abt von Klostermarienberg und die Bür­ger von Güns ankündigte 19). Weitere Einzelheiten über diese Hochzeits­>3) Ebenda 258. 14) Sopronvm. okit. I, 504 n. 353. is) Mályusz Elemér, Zsigmondkori oklevéltár, I (1387—1399), Budapest 1951, 258 n. 2363, 2364. !«) Ebenda 259 n. 2376. u) Diese Wasserburg dürfte nicht, wie von verschiedenen Autoren ange­nommen, schon 1373 bestanden haben, sondern erst zwischen 1388 und 1392 er­richtet worden sein (vgl. Allgemeine Landestopographie des Burgenlandes, II (im Druck), 97 ff. 18) Házi Jenő, Sopron szabad királyi város története, (Sopron 1924), 1/3, 35 n. 44. 19) Sopronvm. okit. I, 504 n. 353. 6*

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