Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

ERNST, August: Der Hoftag in Eisenstadt 1392

82 August Ernst auf Eisenstadt, das sie im besonderen Maße förderten. Hatten sie schon unter Ludwig dem Großen das Mauerrecht für die „villa seu oppidum Zaba- morthun“ erhalten7), so erwirkten sie am 4. Oktober 1388 in zwei Privi­legien die Erlaubnis zur Abhaltung von zwei Jahrmärkten 8) und die Ge­nehmigung zur Ansiedlung von Juden in Eisenstadt9). Knapp 1 x/2 Jahre später befreite Sigismund die Einwohner dieser Stadt von der Leistung des Dreißigst in Ödenburg für alle ihre Sachen, Tiere, Güter und Handelswaren, die sie ins Innere Ungarns zu transportieren beabsichtigten 10). Mit der Niederwerfung der Erhebung in den südöstlichen Gebieten, der Vertreibung der Rädelsführer und der Befreiung der Königin konnte zwar in diesen Teilen des Königreiches einigermaßen die Ruhe wieder her­gestellt werden, dafür entflammten aber in anderen Randgebieten neue Unruhen, die den Einsatz mehrerer Banderien erforderten. Mit der Be­friedung derselben wurde Stefan IV. von Kanizsa beauftragt, der sich dieser Aufgabe mit großem Geschick entledigte11)- Auch gegen den Woiwoden von der Moldau war Stefan, den Sigismund zum Grafen der Szekler er­hoben hatte, erfolgreich 12). Zu diesen Unruhen im Innern des Königreiches gesellte sich im Jahre 1391 der Ausdehnungsdrang der Türken, die im Zeichen des Halbmondes und im Geiste des Propheten zur Eroberung des christlichen Abendlandes emsige Vorbereitungen trafen. Sultan Bajazet hatte um die Mitte des Jahres einen großen Teil Bulgariens besetzt und bedrohte unmittelbar die Walachei, dessen Fürst, ein Vasall Ungarns, keine andere Wahl hatte, als sich freiwillig zu unterwerfen. Ebenso durchstreiften türkische Scharen das Gebiet nördlich des Balkans. Diese akute Gefahr forderte ein Zusammenwirken aller zentralen Kräfte Ungarns und darüber hinaus der angrenzenden Länder des Abendlandes. König Sigismund entschloß sich daher, mit den Großen seines Reiches, den geistlichen und weltlichen Würdenträgern, die außenpolitische Situation zu beratschlagen und geeignete Maßnahmen zur Abwehr der Türken zu treffen. Wo hätte aber eine von äußeren Umständen unbeeinflußtere Beratung statt­finden können, als in den von Aufständen weniger berührten und im Be­sitz der treuesten Vasallen befindlichen Teilen des Landes, nämlich in West­ungarn. Hier, hart an der Grenze des Landes, lag die aufstrebende, von den Kanizsai im besonderen Maße geförderte Stadt Eisenstadt, die schon hin­sichtlich ihrer einmaligen Lage am Südostabhang des Leithagebirges für 7) 1371 VI 10. Gruszecki Oskar, Zur Vorgeschichte der Herrschaft Eisen­stadt, BHbl. 19 (1957), 17. 8) Sopronvm. okit. I, 493 n. 344. 9) Ebenda 491 n. 343. 10) 1390 VIII 23. Ebenda 498 n. 349. n) Fessler-Klein II, 253. Auch im Nordwesten des Komitates Ödenburg ent­standen Unruhen, mit deren Niederwerfung die Kanizsai betraut wurden, vgl. dazu Allgemeine Landestopographie des Burgenlandes II (im Druck), 68, 100. 12) Ebenda 256.

Next

/
Oldalképek
Tartalom