Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

CORNARO, Andreas: Österreich und das mexikanische Freikorps

Österreich und das mexikanische Freikorps 71 tet hatten und deren in mexikanischen Diensten stehende Offiziere infolge der ungeklärten Lage ihre Autorität verloren hatten. Das Treiben wurde am 21. Mai so arg, daß dagegen Militär aufgeboten wurde. Dieses stellte die Ruhe wieder her, machte in der ganzen Stadt Jagd auf die Exmexi­kaner und eskortierte sie zur Bahn32). In Laibach wurde das Korps auf­gelöst und den Leuten der Eintritt in das österreichische Heer freigestellt. Einige gingen wieder zu ihren alten Truppenkörpern, andere wurden in ein an der italienischen Front neu aufgestelltes freiwilliges Alpenjäger­korps eingereiht 33). In der Antwortnote an Motley vom 20. Mai war nach der Mitteilung von der Sistierung der Abfahrt der Freiwilligen auch die Hoffnung ausge­drückt worden, daß dafür auch die Vereinigten Staaten gegenüber Mexiko strenge Neutralität beobachten würden34 *). So sollte darin der Eindruck einer Kapitulation vor einem Ultimatum etwas abgeschwächt werden. Das sofortige Nachgeben einer europäischen Großmacht vor dem eigenen brüsken Vorgehen erregte in Amerika großen Jubel über den diplo­matischen Sieg. Um das Ansehen Österreichs in der Öffentlichkeit einiger­maßen zu wahren, ließ Wydenbruck unter der Hand in amerikanischen Zeitungen die Nachricht verbreiten, daß Österreich auf die Sendung der Freiwilligen nur verzichtet habe, damit nicht die USA auch ihrerseits Juarez militärisch unterstütze 33). Dieselbe Version, Österreich habe die Sendung der Freiwilligen nur im Interesse Maximilians verhindert, um den Vereinigten Staaten keinen Vor­wand zum Eingreifen in Mexiko zu bieten, verwendete Außenminister Mensdorff-Pouilly auch in seiner Antwort auf den Protest Barandiarans36) und in seiner offiziellen Mitteilung über diese Vorkommnisse an den Ge­sandten Graf Thun vom 25. Mai. In diesem Schreiben, das am mexikani­schen Hof gezeigt zu werden bestimmt war, wurde auch festgestellt, claß das Abkommen vom 15. März noch nicht ratifiziert worden war und Öster­reich daher mit Recht zurücktreten könne. In einem zweiten besonderen Schreiben desselben Datums wurde dagegen Thun als eigentlicher Grund mitgeteilt, daß Österreich am Vorabend des Krieges mit Preußen keinen Bruch mit Amerika riskieren wolle und daher die Konvention über die Er­gänzungswerbungen auf keinen Fall erfüllen könne. Doch wäre es will­kommen, wenn Mexiko von sich aus auf die Durchführung des Abkommens verzichte, was der österreichische Gesandte womöglich erreichen solle37). Natürlich gelang es nicht, jemanden über den wahren Grund von Öster­reichs Nachgeben vor dem amerikanischen Ultimatum zu täuschen. Maxi­32) Artikel in „Die Presse“ vom 23. 5. 33) AVA 3.009 — MI/1866. 34) Mensdorff an Motley, 20. 5. 1866. HHStA, PA 33, 21. 35) Wydenbruck an Mensdorff, 11. 6. 1866. HHStA, PA 33, 21. 3*>) Mensdorff an Barandiaran, 15. 5. 1866. HHStA, PA 34, 4. 37) Beide Konzepte HHStA, PA 34, 4.

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