Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

CORNARO, Andreas: Österreich und das mexikanische Freikorps

72 Andreas Cornaro milian, der über die Ausschiffung der schon auf ihn vereidigten Truppen von der „Tampico“ schwer gekränkt war, konnte bei der Lektüre von ver­schiedenen Stellen des ihm gezeigten offiziellen Schreibens Mensdorff’s vom 25. Mai nur lächeln und war nicht gesonnen, seinerseits von der Kon­vention zurückzutreten 38). Somit war die geplante Verstärkung des österreichischen Korps miß­lungen und kam auch nicht mehr zustande, obwohl noch im Juli in Mexiko die Meinung vertreten war, daß nach dem bald eintretenden Frieden in Europa Österreich die vertragsmäßigen Freiwilligen wieder kommen lassen werde39). Ein Versuch Maximilians, infolge der Nichterfüllung der Kon­vention über die Ergänzungswerbungen und der Tampicoaffäre auch seinen Verzicht in den Familienpakten von Miramar als hinfällig zu erklären, wurde von Österreich zurückgewiesen40 *). Mittlerweile war der Bestand des österreichischen Korps selbst in Frage gestellt. Die stets mit chronischer Finanznot kämpfende kaiserliche Regierung war im Frühjahr 1866 nicht mehr im Stande, das Korps zu bezahlen. Allerdings waren auch bei der Intendanz der österreichischen Legion bedeutende Mißbräuche aufgetreten, da Thun, persönlich unantast­bar, seinen Offizieren gegenüber zu nachsichtig war. Angeblich konnte über mehr als 200.000 Piaster keine gerechtfertigte Rechnung gelegt wer­den4-1). Daher übernahm der französische Oberbefehlshaber Marschall Bazaine die Besoldung des österreichischen und belgischen Freikorps aus der französischen Armeekassa, doch wurden dafür die beiden Korps zu­sammen mit der französischen Fremdenlegion zu einem besonderen Heeres­körper vereinigt und direkt unter französischen Befehl gestellt. Die Diffe­renz zwischen den Sätzen der französischen Armeelöhnung und den höheren, den Freiwilligen vertraglich zugesicherten Gebühren verpflichtete die kaiserliche Kasse sich zu begleichen, blieb aber seit Juli auch damit im Rückstand. Die Vereinigung des österreichischen Korps, das bisher stets selbständig oder nur mit mexikanischen Auxiliartruppen operiert hatte, mit französischen Streitkräften bewährte sich in der Praxis nicht. Im Zusammenhang mit der von Bazaine betriebenen Reorganisation der kai­serlichen mexikanischen Nationalarmee, bei der als Kader französische Offiziere und Soldaten verwendet wurden, richtete auf Weisung Maxi­milians Graf Thun am 7. Juli 1866 auch an die Leute seines Korps die Aufforderung zum freiwilligen Eintritt in die einheimischen Truppen. Auf Bedenken des österreichischen Geschäftsträgers Baron Eduard von Lago, ob derartige Übertritte ohne Genehmigung der österreichischen Regierung nicht gegen die Konvention vom 19. Oktober 1864 verstießen, wurde dabei 38) Lago an Mensdorff, 5. 7. 1866, HHStA, PA 34, 4. 39) Bericht des preußischen Gesandten Magnus an Bismarck, 28. 7. 1866, Abschrift, HHStA, PA 34, 11. 40) Mensdorff an Lago, 16. 9. 1866. HHStA, PA 34, 4. «) Lago an Mensdorff, 28. 5. 1866. HHStA, PA 34, 4.

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