Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
CORNARO, Andreas: Österreich und das mexikanische Freikorps
70 Andreas Cornaro mexikanische Armee aufzustellen, um für den Fall des Abzuges der Franzosen gewappnet zu sein. Washington, das durch das Ende des Bürgerkrieges außenpolitisch wieder freie Hand hatte, und eben dabei war, im Sinne der Monroedoktrin auf diplomatischem Wege die französischen Interventionstruppen zum Verlassen Mexikos zu zwingen, wurde durch die ersten Gerüchte über die bevorstehende Sendung österreichischer Truppen sehr beunruhigt. Von österreichischer Seite wurde zwar eingewandt, daß es sich um keine neuen Truppen, sondern nur um Ergänzungen der Abgänge eines Freiwilligenkorps, das schon lange in Mexiko stehe, handle26). Der amerikanische Gesandte in Wien, Lothrop Motley, berichtete ebenfalls in beruhigendem Sinne, daß er keine Neutralitätsverletzung darin erblicken könne27). Die öffentliche Meinung in Amerika geriet aber immer mehr in Erregung. Man glaubte in dem Abkommen vom 15. März den Versuch zu sehen, Österreich in Mexiko als Besatzungsmacht an Stelle Frankreichs treten zu lassen, und so die von Amerika errungenen Zugeständnisse Napoleons, mit Herbst 1866 den Abzug der Interventionstruppen zu beginnen, wertlos zu machen28 *). Da Präsident Johnson, der mit dem Kongreß wegen der Frage der besiegten Südstaaten in einen gefährlichen Konflikt geraten war, seine Stellung durch außenpolitische Erfolge sichern wollte und auf Österreich als Kontinentalmacht, die zudem eben im Begriff stand, in Europa in einen Krieg verwickelt zu werden, nicht so viel Rücksicht wie auf Frankreich zu nehmen brauchte, wurde der amerikanische Gesandte in Wien angewiesen, mit dem Abbruch der Beziehungen zu drohen, falls österreichische Freiwillige nach Mexiko gingen26). Motley, der vorher selbst den österreichischen Standpunkt vertreten hatte und daher nun in einige Verlegenheit geriet, ersuchte daraufhin am 6. Mai 1866 in einer sehr höflichen und etwas gewundenen Note die Abfahrt der Angeworbenen vorläufig zu si- stieren30). Aber in Wien war man trotzdem durch den österreichischen Gesandten Wydenbruck über die dahinterstehende ultimative Haltung Washingtons unterrichtet. Daher wurde gegen den Protest des mexikanischen Gesandten31) die Abfahrt des französischen Dampfers „Tampico“, auf dem der erste Transport der neu Angeworbenen in Triest bereits eingeschifft war, gestoppt. Da Barandiaran sich weigerte, weitere Dispositionen zu treffen, wurden die Leute auf Anordnung der österreichischen Regierung schließlich wieder ausgeschifft, um nach Laibach gebracht zu werden. Dabei kam es jedoch in Triest zu alkoholischen Exzessen der Freiwilligen, die gegen 14 Tage untätig an Bord des Schiffes im Hafen gewar26) Weisung an Wydenbruck, 22. 3. 1866. HHStA, PA 33 (Amerika), 21. 2?) Motley an Staatssekretär Seward, 6. 4. 1866. HHStA, PA 33, 21. 25) Wydenbruck an Mensdorff, 20. 4. u. 23. 4. 1866. HHStA, PA 33, 21. 26) Wydenbruck an Mensdorff, 25. 4. u. 30. 4. 1866. HHStA, PA 33, 21. so) HHStA, PA 33, 21. 31) Barandiaran an Mensdorff, 11. 5. 1866. HHStA, PA 34, 4.