Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

TIEFENTHALER, Meinrad: Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände

Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände 383 eines Büroraumes gehalten. Die Säle für die Archivalien und die Biblio­thek sind 2.25 m hoch, sodaß alles mit der Hand zu erreichen ist. Jeder Archivar, der noch immer auf Leitern herumsteigen muß, weiß diesen Vorteil zu schätzen. Die Akten sind in Eisengestellen, in festen Papp­schachteln untergebracht, deren Deckel von linker Seite sich mit einem Griff öffnen läßt. Damit ist eine staubfreie Aufbewahrung und bequeme Nachsuche gewährleistet. Die Gestelle in der Bibliothek und im Hand­schriftenraum sind von 5:5cm verstellbar. Zwei zusammengeschweißte U-Eisen, in welche in den genannten Abständen rechteckige Löcher ge­stanzt sind, dienen zur Aufnahme von Eisenbacken, auf welchen die Stell­bretter ruhen. Es ist dies eine einfache, leicht zu bedienende Vorrichtung, die allen beweglichen Systemen, wie sie sonst in großen Bibliotheken und Archiven verwendet werden, vorzuziehen ist. Der Schöpfer dieser Gestelle ist der frühere Leiter des Innsbrucker Staatsarchivs, des heutigen Landes­regierungsarchivs für Tirol, Dr. Dörrer. Erstmals wurde dieses System bei der Bibliothek des Museums Ferdinandeum in Innsbruck in Anwendung gebracht und von dort von uns übernommen. Die Stellbretter bzw. die Fächer sind 1.20 m lang. Alle Fächer im ganzen Archiv sind auf genau der gleichen Länge gehalten worden, sodaß es sich bei notwendigen Um­stellungen erübrigt, mit dem Meterstab herumzu rennen, ob der entspre­chende Platz vorhanden ist oder nicht. Gegen Feuersgefahr ist unser Archiv weitgehend gesichert. Es sind feuersichere Türen eingebaut worden, auch die Fenster sind aus ziemlich feuerbeständigem Prismenglas, das überdies noch die Sonnenstrahlen bricht und so die Vorhänge erspart. Bei jenen Fenstern, die gegen die Häuserfront zeigen, wurde noch Drahtglas verwendet, das sich bei Archiv­bränden bis jetzt am besten bewährt hat. Die Zwischendecken sind aus Beton mit Holzzementbelag, auf dem erst noch Linoleum, bzw. in den Haupt- räumen Korklinoleum, liegt. Bei den großen Zwischenräumen zwischen den einzelnen Gestellen (1 m) und bei Freihaltung des untersten Faches kann leicht für die in einem Archiv unerläßliche Sauberkeit gesorgt werden. Statisch ist das Archiv so berechnet worden, daß jeder Saal von 20 m Länge und 10 m Breite, Wasser in einer Höhe von 1.80 m tragen könnte, den Sicherheitskoeffizienten noch nicht eingerechnet. Beheizt wird das Magazin durch eine Niederdruckdampfheizung. Aber ich möchte allen ab­raten, diese Art der Heizung anzuwenden. Gegenüber einer Warmwasser­heizung können keine Kohlen eingespart werden, und die Regulierung der Innentemperaturen läßt sich viel schwerer durchführen. Bei einer Warm­wasserheizung wird eine gleichmäßige Temperatur besser gewährleistet als bei einer Dampfheizung, die entweder die Räume überhitzt oder eiskalt läßt. Das fünfstöckige Archivgebäude hatte ein ebenes Dach. Auch dieses bewährte sich nicht, obwohl beim Bau alle Sorgfalt angewandt und mit den Baumaterialien nicht gespart wurde. Es blieb nichts anderes übrig,

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