Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
TIEFENTHALER, Meinrad: Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände
384 Meinrad Tiefenthaler als ein Walmdach aufzusetzen, das zum Glück neben dem praktischen Wert das äußere Ansehen des Archivs verschönerte. Ich habe diese Einzelheiten etwas weiter ausgeführt, weil doch der eine oder andere Archivar sich mit Umbauplänen trägt (wünschen würden sich gewiß alle mehr Platz und noch etwas Neueres), und da ist es gut, wenn man weiß, wie es in anderen Archiven aussieht. Bezüglich der Aufbewahrung in Pappschachteln bin ich seinerzeit gewarnt worden, weil diese zu wenig haltbar wären. Das mag für jene Bestände zutreffen, die tagtäglich gebraucht werden. Aber was macht es aus, wenn ab und zu einmal ein Karton ausgewechselt werden muß. Die liegende Aufbewahrung der Akten in staubgeschützten Schachteln ist sicherlich jener in verschnürten Aktenbündeln, sei es mit oder ohne Holzdeckel, vorzuziehen. Bei der Flüchtung der ältesten Bestände im vergangenen Weltkriege hat sich, für uns wenigstens, diese Aufbewahrungsart als sehr glücklich erwiesen. Wie oft brechen sonst bei solchen Gelegenheiten die Schnüre der Faszikel, und die Akten geraten in ein heilloses Durcheinander. Doch nun wieder zurück zu den Archibeständen. Wie schon oben gesagt wurde, hatte nur das Vorarlberger Landesmuseum eine kleine Sammlung von Archivalien, hauptsächlich vom aufgelösten Benediktinerkloster Mehrerau bei Bregenz herrührend. Diese Archivalien kamen nach der Auflösung des Klosters in stark reduziertem Zustande als Staatsbesitz in das Steueramt Bregenz, wo sie bis zur Gründung des Landesmuseums verblieben. Die alte Bibilothek des Klosters Mehrerau z. B. wurde vollständig zersplittert, und es sind sicher noch in manchen bürgerlichen Häusern in Bregenz in den Zwischenböden viele solcher Bücher als Füllmaterial verwendet worden, wie sich bei einigen Umbauten in früheren Jahren gezeigt hat. Vor wenigen Jahren wurde eine Reihe von Inkunabeln in Brixen in Südtirol in einem Privathause entdeckt, die dem alten Mehrerauer Kloster entstammten. Landesarchivar Kleiner ging nun daran, zuerst bei den Behörden und Ämtern des Landes Vorarlberg, bei den Gerichten und Steuerbehörden die vorhandenen alten Aktenbestände und Urkunden einzuziehen und sie in das Archiv zu verbringen. In erster Linie waren es landständische Archivalien, dann die Archive der Gemeinden und Pfarreien, der bäuerlichen und anderen Genossenschaften, die in das Landesarchiv gebracht wurden. Neben der Aufnahme landständischer Archivalien wurde besonders nach 1918 der Einzug staatlicher Archivalien angestrebt und auch erreicht. Ein Großteil der staatlichen Archivalien war aber schon im Statthaltereiarchiv in Innsbruck, dem jetzigen Landesregierungsarchiv für Tirol, untergebracht. Als das Land Vorarlberg nach dem Umsturz selbständig wurde, kamen diese Bestände nach Bregenz. Die schon bald nach der Gründung des Archivs begonnene, durch den ersten Weltkrieg aber unterbrochene Einziehung der Pfarr- und Gemeindearchive, wurde nach der Beendigung des Krieges mit größerem Nachdruck