Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
TIEFENTHALER, Meinrad: Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände
382 Meinrad Tiefenthaler Mit der Vollendung dieses Baues haben sich alle daran beteiligten Personen ein hervorragendes Verdienst um die Erhaltung der Kulturschätze Österreichs erworben.“ Es war auch höchste Zeit, ein Archiv einzurichten, wollte man den unwiderbringlichen Verlust alter, wertvoller Archivalien hintanhalten. Wohl hatte der Vorarlberger Landesmuseumsverein in Bregenz, der 1858 gegründet wurde, ein „Archiv“ und sammelte die ihm angebotenen alten Urkunden, nahm die Archivalien des aufgelösten Klosters Mehrerau und noch einige andere Archivalien in Verwahrung. Von einer systematischen Sammlung und einer organischen Aufstellung konnte keine Bede sein, weil das Archiv beim Landesmuseum naturgemäß immer Nebenzweck bleiben mußte. Zur Zeit der Gründung des Landesarchivs wurden diesem eigene Räume in einer aufgelassenen Kaserne in Bregenz zur Verfügung gestellt. Neben der Unzulänglichkeit des Aufbewahrungsortes machte sich bald Platzmangel fühlbar und zwang zu größeren Räumen. Deshalb hat sich das Archiv im alten Landhaus in Bregenz in der Folge häuslich eingerichtet und ist auch bis heute dort verblieben. Übrigens wurde das Haus in den Jahren 1688—1690 von dem Bregenzer Stadtamann Johann Mathias Christoph von Bildstein, dem Bruder des Generalvikars von Konstanz, Joseph Ignaz von Bildstein, erbaut. Durch den Bau dieses mächtigen Patrizierhauses kam der Bauherr so in Schulden, daß ihn der genannte Generalvikar auslösen mußte. Neben den Büroräumen, dem Benützerzimmer, wurden große geräumige Keller, die bis zu 2 m starke Grundmauern haben, trocken gelegt und zur Aufbewahrung der Archivalien hergerichtet. Es hat sich aber gezeigt, daß trotz allen möglichen Sicherungen, Entlüftungsvorrichtungen u. dgl. Keller oder unterirdisch gelegene Räume, besonders in der Seegegend, nicht für ein Archiv geeignet sind. Damals, im Jahre 1931, zwangen noch mehr als die Raumnot diese Umstände zum Neubau eines Magazins für das Vorarlberger Landesarchiv. Der Neubau des Archivs, des „Landespapierkorbes“, wie der Volksmund sagt, ist ein reiner Zweckbau. Ein moderner Betonbau, aus Gründen der Feuersicherheit nicht direkt an das bisherige Archiv angebaut, sondern durch einen gedeckten Bogengang mit diesem verbunden, beherbergt nun die Archivalien des Landesarchivs. Büroräume, Lesesaal und ein Teil der Handbibliothek sind im alten Gebäude verblieben. Alles andere, Urkundenzimmer, Handschriftenraum, Aktensäle, Bibliothek, Photozimmer, Registratur usf. wurde in den Neubau verlegt. Von allen überflüssigen Ausschmückungen wurde abgesehen. Die ganze Inneneinrichtung ist einfach gehalten und nur für den praktischen Gebrauch geschaffen. Auf Sauberkeit, Sicherheit und Übersichtlichkeit wurde besonderer Wert gelegt. Ein Stockwerk, das den Handschriftenraum, das Urkundenzimmer, die Dunkelkammer, kurz, alle jene Räume enthält, in denen sich ein Archivar länger aufhalten muß, ist auf normaler Höhe