Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

TIEFENTHALER, Meinrad: Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände

Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände 381 Landes gekennzeichnet. Als das Jahr 1848 die Völker Österreichs wach­rüttelte, schien dem Lande Vorarlberg die Zeit für die alte Forderung der Selbstverwaltung gekommen, denn der Kaiser bezeichnete in seinem Manifest vom 15. 3. 1848 Vorarlberg als selbständige Provinz, die eine eigene Landesvertretung haben solle. Aber schon die nie ins Leben ge­tretene Kremsierer Verfassung, die Märzverfassung von 1849 und die neuerdings ganz absolutistische Verfassung von 1851 bestimmten eine ge­meinsame Provinzialvertretung für Tirol und Vorarlberg, die durch die Statthalterei in Innsbruck verkörpert wurde. Die Verhältnisse in Österreich, vor allem die Folgen des Krieges von 1859 führten endlich zu der Verfassung vom 26. 2. 1861. Mit diesem so­genannten Februarpatent wurde das konstitutionelle Österreich begründet, und Vorarlberg erhielt seinen eigenen Landtag. Der Wunsch des Landes war zwar nur teilweise in Erfüllung gegangen. Es hatte nun einen eigenen Landtag, einen Landesausschuß, aber nicht eine eigene unmittelbar dem Ministerium in Wien unterstellte Regierung, die es anstrebte. Für den Bereich der staatlichen Verwaltung blieb Vorarlberg der Statthalterei in Innsbruck untergeordnet. Immer wieder machte das Land Vorstöße, beson­ders 1907, die Selbständigkeit des Landes zu erreichen. Doch erst, als durch den Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie die Voraus­setzungen gegeben waren (Auflösung der pragmatischen Sanktion), konnte am 3. November 1918 die provisorische Landesversammlung das Land Vorarlberg als selbständig erklären. Seit 1922 ist Vorarlberg eines der neun Bundesländer des Bundesstaates Österreich. Aber schon die begrenzte Selbständigkeit, die Vorarlberg 1861 erhielt, wirkte sich vor allem im Kulturleben des Landes günstig aus. Vorarlberg ging daran, eigene Landesanstalten zu errichten. Darunter fiel auch die Schaffung eines Vorarlberger Landesarchivs. Im Jahre 1898 beschloß der Vorarlberger Landtag die Errichtung eines Landesarchivs. Mein Vorgänger, Reg.-Rat Viktor Kleiner, wurde mit der Organisation betraut. Außer den Landesausschußakten waren seit 1861 überhaupt keine Archivalien im Besitz des Landes. Durch seine Umsicht, rege Sammeltätigkeit und zähe Ausdauer, kam das Land Vorarlberg zu einem Archiv, das sich neben den Archiven der anderen Bundesländer wohl sehen lassen darf. Anläßlich des Neubaues hat der damalige Generaldirektor der österreichischen Staatsarchive in Wien, Univ.-Prof. Dr. Bittner, unterm 26. 9. 1932 ein Schreiben an die Vorarlberger Landesregierung gerichtet, worin es unter anderem heißt: „Der Leiter des Archivreferates des Bundeskanzleramtes hat die Gelegenheit ergriffen, bei seiner Rückkehr vom deutschen Archivtag in Stuttgart am 14. September laufenden Jahres den Neubau des Landesarchivs in Bregenz zu besichtigen. Diese Besichti­gung hat ergeben, daß dieser Neubau allen Anforderungen der modernen Archivwissenschaft entspricht und in seiner Einrichtung den neuesten Archivbauten in Deutschland würdig an die Seite gestellt werden kann.

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