Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

TIEFENTHALER, Meinrad: Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände

Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände. Von Meinrad Tiefenthaler (Bregenz). Die Arbhivverhältnisse Vorarlbergs sind ganz anders gelagert, als die der anderen Bundesländer Österreichs. Dies hängt mit der historischen Entwicklung Vorarlbergs zu einem selbständigen Lande zusammen. Vor­aussetzung für ein Zentralarchiv ist eine Zentralregierung und diese bekam Vorarlberg erst 1918. Mit der Auflösung der karolingischen Macht konnten die ursprünglich beamteten Grafen sich wichtige erbliche Rechte sichern. In der Grafschaft Bregenz zeigt sich im 10. Jahrhundert erstmals, nur etwas größer, das Land Vorarlberg in seiner heutigen Gestalt. 1157 starb der letzte Graf von Bregenz und über seine Erbtochter Elisabeth kam das Land an den Pfalz­grafen Hugo von Tübingen, der die heute als Landeswappen gebrauchte rote Fahne auf silbernem Grund im Wappen führte. Der jüngere Sohn Hugo, der sich seit 1206 Graf von Montfort nannte, wurde zum Begründer eines Geschlechtes, mit dem die Geschichte des Landes lange und eng ver­bunden war. Aber nur kurze Zeit blieb Vorarlberg unter den Montfortern eine Ein­heit. Die Söhne des Grafen Hugo teilten um 1230 den ererbten Besitz, und schon ein Enkel Hugos war der Stammvater der Grafen von Werdenberg. Diese zwei eng verwandten Häuser der Montforter und Werdenberger bekämpften sich durch Jahrzehnte auf das blutigste und erbittertste. Als Rudolf von Habsburg 1273, ein Feind der Grafen von Montfort, den deut­schen Königsthron bestieg, kämpften alle Montforter geschlossen noch einmal in der Schlacht von Göllheim 1298 auf seiten des Nassauers gegen ihn. Erst dann gaben sie ihre Sache verloren, als für sie alles aussichtslos war. Die Montforter und Werdenberger waren in sich uneinig, sodaß sie nicht einmal das ganze Land als gemeinsamen Besitz beieinanderzuhalten vermochten. Das Gebiet der Ritter und späteren Grafen von Hohenems und der Thumben von Neuburg ging mitten durch ihre Landschaft und trennte das Vorarlberger Ober- und Unterland. Die Habsburger hatten um die Mitte des 14. Jahrhunderts noch große, wenn auch stark gefährdete Besitzungen in der Schweiz. 1363 erwarben sie Tirol. Es war ein natürlicher Wunsch, auch in Vorarlberg Fuß zu fassen. Die politische und wirtschaftliche Lage, bedingt durch die Zersplitterung der montfortisch-werdenbergischen Macht und die den Kriegen folgende allgemeine Verarmung der Bevölkerung kam diesem Streben entgegen. Noch

Next

/
Oldalképek
Tartalom