Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

TIEFENTHALER, Meinrad: Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände

Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände 379 im gleichen Jahre, 1363, kauften die Habsburger die kleine, verkehrs­politisch aber wichtige Herrschaft Neuburg am Rhein, die im wesentlichen das Gebiet westlich Götzis umfaßte und bis an den Rhein reichte. Die noch bedeutendste Herrschaft der Montforter, die Herrschaft Feld­kirch mit dem Bregenzerwalde, wurde vom letzten Feldkircher Grafen Rudolf ebenfalls an Habsburg verkauft. Nach dessen Tod im Jahre 1390 zogen die österreichischen Vögte auf der Schattenburg auf, um, abgesehen von den Nellenburgern, nur noch einmal einem fremden Pfandherrn, dem Grafen Friedrich von Toggenburg, Platz zu machen. 1394 wurde Bludenz mit dem Tal Montafon, 1397 die Herr­schaft Jagdberg, in der Nähe von Feldkirch, 1451 die erste und 1523 die zweite Hälfte der Stadt und Herrschaft Bregenz erworben, 1453 Tannberg und 1473 Sonnenberg bei Bludenz. Nach dem Aussterben des männlichen Stammes der Grafen von Hohen­ems wurde die Reichsgrafschaft Hohenems Reichslehen und vom deutschen Kaiser nicht mehr an andere verliehen, sondern dem damals regierenden Hause, den Habsburgern. So kam die Grafschaft Hohenems zu Österreich. Nach der bayerischen Herrschaft im Jahre 1814 wurden Hohenems und Lustenau, nachdem diese durch eine eigene Administratur, allerdings von österr. Beamten des Kreis- und Oberamtes Bregenz, verwaltet wurden, auch territorial dem österreichischen Besitz in Vorarlberg einverleibt. 1830 be­kam Österreich den letzten Rest der von den Hohenemsern übrig geblie­benen Rechte, das Patrimonialgericht Lustenau. Damit war die zeitlich weit auseinanderliegende kleinweise Erwerbung des Landes abgeschlossen. Gerade diese kleinweise Erwerbung des Landes Vorarlberg brachte es mit sich, daß Habsburg bzw. Österreich hier nicht jene Macht entfalten und so durchgreifen konnte, wie bei anderen Ländern, die als geschlossenes Ganzes an Österreich gekommen waren. Selbstverständlich hatten auch schon die Grafen von Montfort und Werdenberg ihre eigenen Kanzleien eingerichtet. Die Urkunden und Akten, soweit sie die Herrschaften betrafen und noch vorhanden waren, wurden nach Innsbruck überführt. Von dort kamen dann im 19. Jahrhundert viele Archivalien an das Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien, das jetzige Staatsarchiv. Die Archivalien der Reichsgrafschaft Hohenems, der Reichsherrschaft Blumenegg und der Probstei St. Gerold haben ihre eigene Geschichte. In Hohenems liegen im Palast die Archivalien der Reichsgrafschaft, soweit sie nicht entfremdet oder sonst verloren gingen. Die Archivalien der Reichsherrschaft Blumenegg kamen über Ottobeuren und Weingarten, das lange Zeit Besitzer Blumeneggs war, nach München und Stuttgart und die­jenigen der Probstei St. Gerold, das Eigentum des Klosters Einsiedeln war, nach Einsiedeln. In Vorarlberg selbst sind von den Archivalien Blumeneggs und St. Gerolds nur noch Reste vorhanden. Österreich hatte in den neu gewonnenen Gebieten vier Vogteiämter er­

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