Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

STURMBERGER, Hans: Ein Brief Johann Friedrich Böhmers an Anton v. Spaun

Ein Brief Johann Friedrich Böhmers an Anton v. Spaun 375 interpretiert wissen wollten. Als Böhmer 1848 zum letzten Mal nach Linz kam, da vermißte er seinen „alten trefflichen Gönner Herrn v. Spaun“ und er meinte, daß dieser „manches mit dem seligen Thomas gemein hatte“ 39), mit dem Böhmer eng befreundet war, jenem Frankfurter Bürgermeister Johann G. Christian Thomas, dem Haupt des sogenannten Thomaskrei­ses, welchem Marianne Willemer in „dem Zusammensein eine idealistische und zugleich romantische Prägung“ 40) gab. Auch Böhmer war wie Stifter der Ansicht, daß die „bösen Jahre 1848 und 1849“ dem Linzer Freunde das Herz gebrochen hätten41)- 13 Jahre nach Spauns Tod sagte Böhmer: „Spaun war ganz ein Mann wie Chmel und Feil, ein Jugendfreund des erste- ren“ 42). Man kann ermessen, was er damit sagen wollte, wenn man liest, was er über den toten Chmel sagte: „Er war doch einer der liebenswürdig­sten, treuesten, edeleifrigsten Männer, des man sich im Leben erinnern kann“ 43), und wenn man erfährt, daß er Feil und Chmel als das „beste Bild der österreichischen Liebenswürdigkeit“ 44) bezeichnete. Der vorliegende Brief Böhmers an Spaun vom 11. Februar 1849 ergänzt nun das Bild der Beziehungen der beiden Männer. Seinen Ausgangspunkt hat er von einem Brief Spauns und der Widmung eines Exemplares von Spauns Buch „Die Klage“ 45), welches er Böhmer durch den Linzer Abge­ordneten der Paulskirche, Peter Kagerbauer, übersandte. Das entsprach dem üblichen Tausch von Veröffentlichungen, denn auch Böhmer sandte Spaun seine Publikationen und dieser ließ ihm etwa 1846 durch Schwind 46) für den 2. Band der „Fontes“ 47) danken. Von Interesse ist auch vor allem die aus dem Brief sprechende Haltung Böhmers zu Österreich aus Anlaß der 48er Geschehnisse und seine Ablehnung des preussischen Kaisertums. Seine pessimistischen Auswanderungspläne, die ja schon bekannt sind, werden hier neuerdings bezeugt. Aber neben diesen großen deutschen Pro­blemen, welche das Jahr 1848 aufwarf, gibt es hier auch etwas Frankfurter Lokalkolorit, man hört kurz von Stülz’ Wirken in Frankfurt, von seinem Kontakt mit Marianne v. Willemer, Goethes Suleika, die auch hier als „Linzerin“ bezeichnet wird48), und man findet manche Reminiszenzen an Böhmers Linzer Aufenthalte. In den letzten Zeilen von Böhmers Brief zeichnet sich so etwas wie eine Silhouette des biedermeierlichen Linz ab. 3») Böhmer an Maria Görres, 31. 10. 1858, Janssen 3, S. 265. 4») Kleinstück, Böhmer S. 216. 41) wie Anmerkg. 39. 42) Böhmer an Kopp, 12. November 1862; Feil war k. k. Ministerialrat u. gehörte zu Böhmers Wiener Freunden (f 1862); Janssen 3, S. 396, Anmerkg. 1. 43) Böhmer an einen Freund in Wien, 29. 12. 1858 nach Chmels Tod, Janssen 3, S. 279. 44) Böhmer an Kopp, 12. 11. 1862, Janssen 3, S. 398. 45) über Spauns „Klage“ bei Angsüsser, Spaun S. 47; es war Spauns letzte literarhistorische Arbeit. 46) Spaun an Schwind wie Anmerkung 36. 47) Fontes rerum Germanicarum. 48) J. Schmidt, Linzer Kunstchronik 2, (1951), S. 211.

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