Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

STURMBERGER, Hans: Ein Brief Johann Friedrich Böhmers an Anton v. Spaun

376 Hans Sturmberger Böhmer hatte große Vorliebe für Briefsammlungen und er meinte, die Sammlungen der Briefe großer Männer — er sprach von Johannes von Müller, Clemens Brentano und Joseph Görres — seien ein „Schatz der Na­tion“ 49 *). Auch Böhmers Briefe in ihrer Gesamtheit sind solch ein Schatz und sein Brief an Spaun, der hiemit bekannt gemacht wird, möge eine be­scheidene Ergänzung sein. Johann Friedrich Böhmer an Anton v. Spaun Frankfurt, 11. 2. 1849 Hochverehrtester Herr! Durch Herrn Abgeordneten Kagenbauerw) habe ich Ihr gütiges Schrei­ben vom 12. Mai v. J. und die beigefügte Schrift schon vor Monaten erhalten. Verzeihen Sie daß Antwort und Dank erst so gar spät erfolgt. Gerade die Klage51) kannte ich noch gar nicht, und es war mir eigentlich nichts will­kommener als so in der Kürze in verständiger und freundlicher Führung ihre Bekanntschaft zu machen. Aber diese bösen Zeiten zumal hier in einem Mittelpunct stimmen schlecht zum Saitenspiel. So habe ich denn auch Ihr Werkchen, obgleich es beständig mir zur Seite stand, noch nicht ganz durch­gelesen, wohl aber gesehen wie vollständig es seinem Zweck entspricht. Also nochmals meinen herzlichen Dank für Ihre Gabe und das mir bewahrte gütige Andenken. Von Freund Chmel erhalte ich keine Briefe mehr, früher wohl aus Ver­stimmung über die Lage der Dinge und auch jetzt wohl aus Schwierigkeit einen Standpunct denselben gegenüber zu gewinnen. Ich für meinen Theil so gut östreichisch gesinnt als irgend ein Oestreicher deutsch, war vom ersten Augenblick an entschieden schwarzgelb. Gerade in der stürmischen Zeit, dachte ich, muß man das festhalten was man hat: parta tueri! Als tüchtiges Glied des Ganzen gehört man mehr dem Ganzen an als wenn man wie jetzt so viele Ganzes im Ganzen sein will. — Die eigentlich besonnenen Vaterlandsfreunde haben bei uns von dem was man leichtsinnig und frevel­haft hier begonnen, von Anfang an bis jetzt nur Besorgnisse und keine Hoffnungen gehegt. Hat doch schon der Römer alte Weisheit dort auf dem heiligen Berg verkündigt, daß der Staat ein Organismus ist, in dem sich eins ins andere schicken muß, und den man ohne das Leben zu gefähr­den nicht tranchiren und neuzusammensetzen kann. Aber darum kümmert sich nicht der Verrath der Rothen die Alles Umstürzen wollen, nicht der Unsinn der Burschenschäftler welche Träume verwirklichen, nicht der Ei­gensinn der Schleswig Holsteiner die ihrem Haße gegen ihren alten Herrn 49) Böhmer an Maria Görres, 3. 4. 1863, Janssen 3, S. 401. so) Peter Kagerbauer, Linzer Stadt- und Landrat; vgl. K. v. Görner, Das Jahr 18848 in Linz und Oberösterreich (o. J.) S. 27. 5i) Die Klage. Ein deutsches Heldengedicht des zwölften Jahrhunderts. Er­zählt und erläutert von A. Ritter von Spaun. Pesth 1848. Verlag bei Gustav Heckenast.

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