Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

SANTIFALLER, Leo: Daz ist der gelt ze Guvedaun. Ein Tiroler landesfürstliches Urbar aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts

Daz ist der gelt ze Guvedaun 345 ein Einzelblatt eingeklebt ist, so daß er 4 Blätter — 8 Seiten zählt. Auf diese Weise zählt der Kodex insgesamt 12 Blätter = 24 Seiten. Die Foliie- rung in Tinte (1—12) ist nicht ursprünglich, sondern gehört einer späteren Zeit, etwa der Mitte des 16. Jahrhunderts (Putsch?) an. Die Größe des einzelnen Blattes ist durchschnittlich 16 cm h. X 12 cm b. Das Pergament ist auf beiden Seiten gleichmäßig, also nach nördlicher Art, bearbeitet. Jedes Blatt hat ein zum Teil schon sehr verwischtes, in Tinte ausgeführtes Linienschema, bestehend aus je 2 Vertikalen und 26 bis 27 Horizontallinien. Das Schema steht vom äußeren und unteren Rand c. 2 cm und vom oberen und inneren Rand c. 1 cm ab. Der Text beginnt mit der obersten Zeile von fol. lr und läuft ohne Unterbrechung regelmäßig bis zur letzten Zeile von fol. llv. Fol. 12r ist zu einem Drittel und fol. 12v zu etwa zwei Drittel von späteren Händen be­schrieben. Der ganze Kodex ist, abgesehen von den Nachträgen, von einer Hand a in einem Zuge und sehr regelmäßig geschrieben. Die H a n d a schreibt eine gotische Minuskel. Als besondere Merkmale seien hervorgehoben: Der Buchstabe a zeigt fast ausschließlich noch die ältere Form, den oben offenen Bogen; ganz vereinzelt findet sich die jün­gere Form, bei der beide Bogen geschlossen sind. Die beiden Teile des g, insbesondere der untere Teil, erscheinen gebrochen — der Buchstabe zeigt also bereits den fortgeschrittenen Typus. Der i-Strich beim einfachen i kommt vereinzelt vor, den i-Punkt konnte ich nicht nachweisen. Das runde r kommt in der Verbindung or auch schon innerhalb des Wortes vor. Das runde s hat die obere Schlinge teils geschlossen teils offen, die untere in der Regel offen und kommt vereinzelt am Anfang des Wortes und regelmäßig am Wortende vor. Das t hat an der Zunge die im 14. Jahrhundert gebräuch­liche Bogenlinie. Die Oberlängen der Buchstaben sind kurz gehalten. Die Maiuskelbuchstaben haben eine starke Verdickung und Anschwellung der Hauptlinie und sind vereinzelt mit Arabesken verziert; es findet sich ferner bei den Großbuchstaben schon regelmäßig die Auflösung des Schatten­striches in Schattenstrich und Haarstrich (Versalien). Außer der Ligatur or findet sich häufig die Verbindung ae. Von über­geschriebenen Buchstaben kommt ä undd je einmal und v, viermal vor. Ab­kürzungen sind sehr wenige verwendet worden: un mit Kürzungsstrich für imde findet sich achtmal, während unde sonst regelmäßig ausgeschrieben wird; m mit Kürzungsstrich für Doppel-m kommt einmal vor; die gewöhn­liche er-Abkürzung findet sich je einmal in der Mitte und am Schlüsse des Wortes. Die Hand b ist in den Formen der einzelnen Buchstaben mit der Hand a verwandt, zeigt aber doch schon einen Übergang zur Kursive. Die Hand c ist bereits eine ausgesprochene gotische Kursive, zeigt aber in den Grundformen der Buchstaben ebenfalls noch Verwandtschaft mit Hand a. Kennzeichnend ist die Schleifenbildung der Buchstaben b, d, f

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