Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

NECK, Rudolf: Ein eigenhändiges Testament Ulrichs von Eizing (1441)

Ein eigenhändiges Testament Ulrichs von Eizing (1441) 233 sozusagen auf eigene Regie und außerhalb des geltenden Besatzungsrechtes erfolgen mußte. Es war dabei ein glücklicher Umstand, daß die lokalen Stel­len der Besatzungsmacht das Unternehmen wohlwollend übersahen, wäh­rend es die höheren Kommandos und Behörden überhaupt ignorierten, da die Angelegenheit letzten Endes für sie doch uninteressant blieb. Im Haus-, Hof- und Staatsarchiv wurden die Archivalien, von deren ur­sprünglicher Ordnung jetzt so gut wie gar nichts mehr zu erkennen war, zunächst von dem ärgsten und gröbsten anhaftenden Stallkot gereinigt und hierauf nur äußerlich nach der Größe sortiert und ohne Rücksicht auf den Inhalt grob gebündelt. Dabei stellte sich heraus, daß vieles noch durchnäßt war und man war bei den primitiven Verhältnissen der ersten Nachkriegs­zeit gezwungen, dieses Material Monate hindurch in täglichen Umschichtun­gen im engen Raum des ehemaligen Fotoateliers unter einem Glasdach gut auszutrocknen. Da dies aber zunächst nur genügte, die Archivalien behelfsmäßig vor weiteren Einbußen zu schützen, man jedoch bestrebt sein mußte, bereits vorhandene Schäden auszubessern und eines der wertvollsten Archive Öster­reichs der Forschung zu erhalten und neu zu erschließen, sah man sich bald zu weitergehenden Maßnahmen genötigt. Der Eigentümer des Archivs war in dieser Zeit nicht in der Lage, von sich aus irgendwelche Beiträge zu dessen Erhaltung zu leisten und daher wurden 1952 und 1953 von der für Archivalien zuständigen Denkmalschutzbehörde, dem österreichischen Ar- chivamt, erhebliche Geldmittel vor allem für die Anschaffung des Verpak- kungsmaterials zur Verfügung gestellt. Inzwischen war einvernehmlich mit dem Eigentümer Vorsorge dafür getroffen worden, daß auch nach Klärung der Besitzverhältnisse das Archiv für absehbare Zeit im Haus-, Hof und Staatsarchiv als Depot verblieb und möglichst weitgehend der wissenschaft­lichen Benützung frei stand. Gleichzeitig hatte man auch schon in mühseliger Kleinarbeit mit einer groben Scheidung des noch immer ungeheuren Archivmaterials begonnen. Das erste Ziel war die Eliminierung der zahlreichen Urkunden und Hand­schriftenbände aus der Masse der übrigen Akten. Hier, bei den Urkunden und Handschriften als den ältesten und wertvollsten Beständen des Archivs, setzten auch die Restaurationsarbeiten ein. Die Urkunden wurden in die im Haus-, Hof- und Staatsarchiv nach dem letzten Krieg eingeführten und im Eigenbetrieb hergestellten kleinen Urkunden-Kartons verpackt und chrono­logisch geordnet. Dazu wurde eine chronologische Kartei mit Regesten an­gelegt, die bis 1954 im wesentlichen fertig war und über 1200 Pergament­urkunden bis ins 19. Jahrhundert umfaßte; seither hat diese Abteilung des Grafenegger Archivs nur mehr wenige Ergänzungen aus der Restaurations­werkstätte erhalten. Auf Grund des gedruckten Verzeichnisses von Wilhelm und Kallbrunner müssen hier leider sehr schwere Verluste angenommen werden, da von den Urkunden bis 1450 heute noch über 50% fehlen und viel Abhilfe durch Re-

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