Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

NECK, Rudolf: Ein eigenhändiges Testament Ulrichs von Eizing (1441)

232 Rudolf Neck Das Archiv war nach dem Aussterben der Eizinger im Mannesstamm 1620 an den Freiherrn Seifried Christof von Breunner gefallen, dürfte sich vor hundert Jahren in Asparn noch im guten Ordnungszustand befunden haben, kam dann nach Grafenegg und wurde nach 1870 nicht sehr glücklich neu ge­ordnet, wodurch die Benützbarkeit erheblich gelitten haben dürfte. Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Grafen Breunner-Enckevoirth gelangte das Archiv in den Besitz der Herzoge von Ratibor. Das Grafen­egger Archiv enthielt somit seit ungefähr 1900 nicht nur die Archive der Familien Eizinger, Breunner und Enckevoirth, sondern auch die Archive der Herrschaften dieser Familien, z. T. auch noch einzelne Archivalien von Vorbesitzern dieser Herrschaften, z. B. der Jörger. Man kann es mit Recht als eines der bedeutendsten Privatarchive von Niederösterreich, wenn nicht als das bedeutendste überhaupt bezeichnen. Im ersten Weltkrieg er­schien ein gedrucktes Inventar dieses Archivs 15), das im ganzen etwas summarisch abgefaßt war, in den vorzüglichen Regesten der Urkunden bis 1450 aber gerade für die Eizinger-Forschung von großem Nutzen sein mußte. Leider wurden diese Regesten eigentlich nie — auch nicht von Sto- wasser — systematisch ausgewertet. Das Archiv war bis zum letzten Krieg im Schloß Grafenegg relativ gut — trocken und einigermaßen feuersicher — untergebracht. Das Ende des zweiten Weltkrieges bedeutete jedoch für seine Bestände eine Katastrophe. Grafenegg wurde von sowjetischen Truppen besetzt, das Schloß selbst er­hielt zahlenstarke Einquartierungen und die Archivalien wurden zunächst in einen Stall geworfen, wo sie vielfach ihre Verpackung verloren, durch­näßt und mit Stallmist verunreinigt wurden. Außerdem dürfte vieles — wie in ähnlichen Fällen — von Soldaten und Zivilisten entwendet, vernichtet, zum Einheizen gebraucht worden sein u. dgl. Obwohl Grafenegg damals noch als deutsches Eigentum der österreichischen Ingerenz völlig entzogen war, gelang es einigen Privatpersonen unter Duldung der örtlichen Stellen der Besatzungsmacht, das stark dezimierte Archiv nach Schloß Oberwalkers­dorf zu verbringen und dort in nun völlig aufgelöstem Zustand notdürftig unterzubringen. Es ist nicht zuletzt der weitblickenden und unerschrockenen Initiative des Mannes zu danken, dem diese Seiten gewidmet sind, daß das Archiv im Winter 1947/48 in mehreren Lastwagentransporten ins Österreichische Staatsarchiv (Haus-, Hof- und Staatsarchiv) nach Wien überführt wurde. Diese Maßnahme zu verantworten, war insofern nicht unbedenklich und un­gefährlich, als bei der damaligen politischen Lage in Österreich und bei den weltpolitischen Spannungen irgend eine Abmachung mit der Besatzungs­macht über die Bergung des immer noch als „deutsches Eigentum“ gelten­den Archivs nicht zu erreichen war und die Übernahme vom Staatsarchiv 15) Franz Wilhelm u. Josef Kallbrunner, Gräflich Breunnersches Archiv auf Schloß Grafenegg. (Archivberichte aus Niederösterreich, I. Bd, 1. Heft, Wien 1915, S. 2 ff.).

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