Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

MORO, Gotbert: Zur ältesten Originalurkunde im Kärntner Landesarchiv

Zur ältesten Originalurkunde im Kärntner Landesarchiv 225 zinium 93) nach noch vor dem Untergang des Klosters Otting, also spätestens Anfang des 10. Jhs. errichtet worden sein muß und die 1065/66 in der Hand der Eppensteiner für deren Leute das Tauf- und Begräbnisrecht erhielt94); aber die Urpfarre erstreckte sich nach Osten bedeutend über den Zauchen­bach hinaus; so wurde von ihr 1360 Gottesthal (mit Föderlach) als Pfarre abgegliedert95); daher hat die Tatsache, daß 1195/96 das Stift Ossiach und sein Allod, die Kirche von Gratschach, als in der Pfarre St. Ruprecht ge­legen bezeichnet werden 90), keine Beweiskraft gegen unsere obangeführten Darlegungen 9?). So glauben wir nicht fehlzugehen, wenn wir behaupten, daß das Tiffen- Ossiach-Gebiet nicht zum Hofe Treffen von 878 gehört und die Stifterfa­milie diesen nicht besessen hat; wir können vielmehr, wenn auch in der Tiffner Frage von Jaksch abweichend, diesem zustimmen, daß Graf Ozi das Ossiacher Gebiet auf unbekannte Weise erwarb; es mag aber doch im Zu­sammenhang damit darauf hingewiesen werden, daß Mathilde, die Nichte des Grafen Immid, des Stammvaters der Stifterfamilie, durch ihre Ehe mit König Heinrich I. die Stammutter des sächsischen Königshauses war98) und Ozi I. offenbar unter Otto III. als Graf und Gewaltbote eine einfluß­reiche Stellung einnahm, mit der auch seine Begüterung im mittelkärntni­schen, bzw. Ossiacher Gebiet Zusammenhängen könnte "). Meines Erachtens ist aber die Schenkungsurkunde nicht in der Hand der Stifterfamilie gewe­sen und nicht durch sie in das Stift Ossiach gekommen. Jene blieb jeden­falls mit dem Hofe Treffen in Verbindung. Sie kam daher, worauf schon Muffat hingewiesen hat 100), 1007 an König Heinrich II. Dieser hatte die 9 10 9°) Die zwischen 1125 und 1147 genannte ecclesia s. Maximiliani Treuessini, Mon. Car. III, Nr. 609, in Treffen lokalisiert (danach auch bei Klebel, Car. I 115. Jg., 1925, S. 8, und in Erl. II/8/3, S. 63), hat H. Pirchegger, Bll. f. Heimat­kunde, 6. Jg., Graz 1928, Pernegg, S. 2, in Traföß festgestellt. M) Mon. Car. III und I. Ergänzungsheft Nr. 328. — Da sich der Bereich der Maximilianspfarre Treffen mit ihren Filialen, bzw. abgezweigten Tochterpfarren um Treffen, Buchholz, Afritz und Arriach erstreckte, s. Erl. II/8/3, S. 62 ff., scheint der Eppensteiner Besitz diese Gebiete umfaßt zu haben, was gleichfalls für die von mir vertretene östliche Grenze des Hofes Treffen von 878 sprechen würde. os) Erl. II/8/3, S. 19 f. 90) Mon. Car. III, Nr. 1449. — Die Frühgeschichte der Kirche von Grat­schach untersuchte H. Koller, Die Kirche in Gratschach, Car. I 151. Jg., 1961, S. 472 ff. w) Für unsere Meinung spricht auch, daß die Kirche St. Ruprecht hinsicht­lich des Patronates und der Vogtei, soweit wir es verfolgen können, nicht der Herrschaft Treffen, sondern der Herrschaft Landskron unterstand, Erl. II/8/3, S. 38. 9°) Jaksch, Gesch. Kämt. I, S. 171. 99) Denkbar wäre natürlich auch die Begüterung durch Kaiser Ottos III. Nachfolger, Kaiser Heinrich II. 10°) Muffat a. a. O., S. 553; er war allerdings der Meinung, daß der Ossi­acher See in der curtis Treffen inbegriffen gewesen sei. Mitteilungen, Band 14 15

Next

/
Oldalképek
Tartalom