Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

MORO, Gotbert: Zur ältesten Originalurkunde im Kärntner Landesarchiv

226 Gotbert Moro Bedeutung der nach Italien führenden Wege 1002 und 1004 und die Hilfe der Kärntner in den Kämpfen gegen den Markgrafen Arduin von Ivrea kennengelernt101), war daher sicher bestrebt, den über die Drau bei Villach führenden Zugang zum Kärntner Paßgebiet vertrauensvollen Vasallen zu geben 102). Von diesem Gedanken muß er sich bei der Erwerbung des Treff- ner Gutes haben leiten lassen. Nur dachte er hiebei jedenfalls nicht — wie Jaksch und Klebel meinen 103) — an das Bistum Bamberg, das etwa drei Wochen nach der Erwerbung Treffens die ersten königlichen Schenkungen erhielt104), denn sonst hätte Heinrich II. doch auch dieses dem Stiftungs­gut beigefügt; er gab Bamberg, wenn auch die Urkunde hierüber nicht mehr vorliegt, vielmehr die Brücke und den Hof Villach, wahrscheinlich schon damals auch mit dem südlichen Paßgebiet von Arnoldstein-Tarvis 105), das nördlich der Draubrücke gelegene Treffner Gebiet hingegen wird er dem Eppensteiner Adalbero gegeben haben, den er schon als Herzog von Baiern im Jahre 1000 und nach seiner Wahl zum Deutschen König ganz be­sonders begünstigte und nach dem Tode Herzog Konrads I. von Kärnten (12. Dezember 1011) unter Übergehung der Erbfolge dessen Sohnes Kon­rad und des gleichnamigen Neffen, des späteren Nachfolgers Heinrichs II. im Reich, Konrad II., vorzog und mit dem Herzogtum Kärnten belehnte, was allerdings 1019 zum Kampf der beiden Konrade gegen Adalbero führte und wohl auch nicht ohne Einfluß auf die späteren Gegensätze war, die schließlich 1035 den Sturz Adalberos zur Folge hatten106). So gesehen, müßte die Schenkungsurkunde von König Heinrich II. an Adalbero, bzw. die Eppensteiner als neue Besitzer gelangt sein. Von ihnen wird sie mit der Herrschaft Treffen an die Grafen von Alshausen-Veringen, nachmals Gra­fen von Treffen, gekommen sein, in denen Klebel, wie erwähnt, Erben des Eppensteiners Herzog Liutold annimmt 10O, wobei er allerdings die Ein­wände von Jaksch gegen die von ihm herangezogenen Quellen nicht wider­legt108). Erst seit der Schenkung des Hofes Treffen an Aquileja durch Graf Wolfrad II., seine Frau Hemma und ihren Sohn Patriarch Ulrich TI., 101) Jaksch, Gesch. Kämt. I, S. 160 f.; M. Wutte, Kaiser Heinrich II. als Be­gründer der bambergischen Herrschaften in Kärnten, Heimatbll. d. Histor. Ver­eines in Bamberg, 1924, S. 13. 102) G. Moro, Zur Entstehung und Ausdehnung bambergischen Besitzes in Kärnten, Car. I 147. Jg., 1957, S. 255 ff. i»3) Jaksch, Die Entstehung des Bambergischen Besitzes in Kärnten, Car. I 97. Jg., 1907, S. 112; ders., Gesch. Kämt. I, S. 163; Klebel, Grundherrschaften, S. 33. ioi) Der Tausch wurde am 17. April 1007, Mon. Germ. DD. Heinrich II., Nr. 133, S. 159 f. vollzogen, die ersten Schenkungen an die Bamberger Kirche erfolgten am 6. Mai 1007, Mon. Germ. a. a. O., Nr. 134 u. 135, S. 160 ff. ids) Moro, Car. I 147. Jg., 1957, S. 254 ff. i°6) Jaksch, Gesch. Kämt. I, S. 162, 163 f. u. 173 ff. passim. 107) S. S. 218. i»8) Klebel, Grundherrschaften, S. 34; Jaksch, Mon. Car. III zu Nr. 491, S. 191, und Gesch. Kämt. I, S. 229 f.

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