Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
MORO, Gotbert: Zur ältesten Originalurkunde im Kärntner Landesarchiv
224 Gotbert Moro der Hauptbesitz des Stiftes lag übrigens im Feldkirchner Gebiet * 86); vielleicht hatte es manches davon auch schon von der Stifterfamilie erhalten. Unsere Überlegungen, die die Bezeichnung des Klostergründers in der Legende mit comes Tiff ensis verständlich machen würden, dürften noch an Gewicht gewinnen, wenn wir in Betracht ziehen, daß Graf Ozi I. 993 Juli 19 als Graf des comitatus Croudi genannt wird87), der — allerdings nicht von Jaksch — mit dem in Mittelkärnten gelegenen Kroatengau identifiziert wird88). Nur in einer Hinsicht war Ossiach in früher Zeit mit dem Treffner Gebiet zweifellos verbunden, nämlich in kirchlicher: Die von mir vorgeschlagene östliche Grenze des Treffner Hofes von 878 führt westlich von St. Ruprecht am Moos herum zum Zauchenbach 89), weil St. Ruprecht sicher nicht zu jenem Hof gehörte. Denn es geht auf eine curtis zurück, die, nachdem sie schon im Lehensbesitz des Erzbistums Salzburg gewesen war, König Ludwig der Deutsche diesem 860 November 20 schenkte90); da Treffen zu jener Zeit noch ein Gegendname war91), hieß auch dieser Hof curtis ad Trebinam; sein Umfang läßt sich nicht mehr rekonstruieren; jedenfalls war er von kleinerem Ausmaß und wurde der Sitz der Urpfarre St. Ruprecht am Moos92). Ihr kirchlicher Bereich umfaßte sicherlich das gesamte Gebiet des Hofes Treffen von 878, dessen Eigenkirche dem MaximilianspatroTreffen, darunter eine Hube bei Sattendorf; sie ist wohl identisch mit der Hube zu Sattendorf, die Liebmann Smechenwürfel 1329 Dezember 13 dem Kloster „auf die Oblay“ verkauft, die er vom Kloster zu Lehen besaß, Kärntner Landesarchiv, Schroll Regesten Ossiach Nr. 171. 86) Klebel, Grundherrschaften, S. 35 f. 87) Wie Anm. 82. 88) Ebda.; reichte etwa der Kroatengau bis in die Ossiacher Gegend? 89) S. S. 221. 90) Mon. Germ. DD. Ludwig der Deutsche, Nr. 102, S. 147 f.; Mon. Car. III, Nr. 27. 91) E. Kranzmayer, Ortsnamenbuch von Kärnten II, S. 226: Treffen = „Dorf-, Heimgegend“; Jaksch, Gesch. Kämt. I, S. 100; s. auch Mon. Car. III, Nr. 1061 zu 1163: „vallis de Treuen“. 92) Zu diesem Ergebnis kamen unabhängig voneinander E. Klebel, Zur Geschichte der Pfarren und Kirchen Kärntens, Car. I 115. Jg., 1925, S. 8 f., und ich, Die kärntnischen Besitzungen der Hochstifter Bamberg, Brixen und Freising sowie des Erzstiftes Salzburg auf Grund der „Monumenta historica ducatus Carinthiae“ (811—1269), ungedr. Diss., Graz 1925, S. 159 ff.; doch handelte es sich bei dieser curtis zur Zeit der Schenkung (860) sicherlich noch nicht um eine Urpfarre, G. Moro, Zur Schenkung König Ludwigs des Deutschen an das Erzstift Salzburg im Jahre 860, Car. I 129. Jg., 1939, S. 18 f. u. 40, sowie Erl. II/8/3, S. 38; vgl. auch F. Posch, Zur Lokalisierung des in der Urkunde von 860 genannten Salzburger Besitzes, Mitt. d. Ges. f. Salzburger Landeskunde 101. Bd., 1961, S. 245, mit Stellungnahme zu H. Koller, Der östliche Salzburger Besitz im Jahre 860, Burgenld. Heimatbll. 22. Jg., S. 89 ff., der sich S. 95 auch mit der curtis ad Trebinam von 860 befaßt.