Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

GASSER, Peter: Die Handelsbeziehungen des Litorale zu den Ländern der böhmischen Krone im 18. Jahrhundert

Die Handelsbeziehungen des Litorale 95 seinem Befremden das Fehlen jeder Vorbereitung für den Jahrmarkt fest­stellen mußte und von den Triestinern erfuhr, daß niemand an die Abhal­tung der Fiera noch im selben Jahr glauben wolle 13). Der in Erfüllung seiner handelspolitischen Mission in Triest weilende Widmann fand C e r v e 11 i s Bericht bestätigt. Über die im August 1730 doch noch abgehaltene Fiera hat Freiherr Jo­hann Anton v. Widman ausführlich, aber nicht in der ihm sonst gewohn­ten selbstsicheren Art berichtet14). Die farblosen und sich vielfach wider­sprechenden Ausführungen des Freiherrn spiegeln die Resignation eines Mannes wieder, der vor den ihm unüberwindlich scheinenden Schwierig­keiten seine innere Kapitulation bereits vollzogen hatte. So wird in seinem Bericht die Tatsache, daß die Fiera überhaupt abgehalten werden konnte, bereits als Erfolg gewertet, die allgemeine Zufriedenheit aller beteiligten Händler zwar unterstrichen, in einem aber auch zugegeben, daß von keiner Seite für die nächsten Jahre Messekojen pränotiert worden wären. Was den Messebesuch selbst betraf, so zeigte es sich, daß der Mission Stefano de Benzonis doch einiger Erfolg beschieden war, da zahlreiche Händler und Fabrikanten Schlesiens persönlich mit ihren Waren bzw. Erzeugnissen nach Triest gekommen waren. Aus Böhmen erschienen nur wenige Kaufleute. Die Beteiligung aus Mailand und der Lombardei war dank der Bemühungen Cervellis befriedigend. Aus den übrigen Erblanden und dem Reiche war der Besuch schwach und in den meisten Fällen nur aus Gründen der Neugier erfolgt. Daß nur wenige Kauffahrer aus Sinigaglia erschienen waren, enttäuschte Widman. Hier hatte offenbar ein gewißer Dr. Moresky als Nichtexperte versagt, der mit dem Auftrag, Interessenten für Triest zu gewinnen, zum Besuch der Fiera nach Sinigaglia entsendet worden war15). Einen weiteren Beweis für die unzulängliche Art der Vorbereitung lieferte auch das Ausbleiben der dalmatinischen und levantinischen Händ­ler. Eine Wendung zum Besseren war auch hier, nach Ansicht des Frei­herren von Widman, nur durch eine Intervention des kaiserlichen Inter­nuntius bei der Pforte möglich, der vor allem die Aufmerksamkeit der Inselgriechen auf die Fiera im besonderen und auf Triest im allgemeinen lenken sollte. Unter Auswertung der gewonnenen und zum Teil recht bitteren Erfah­rungen erhoffte man sich für den nächsten Jahrmarkt ein günstigeres Ge­!3) H.H.u.StA.: Österreich-Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9 (419). — „... non abbia (Cervelli) trovato la verun disposizione, e alcun ordine per la futura fiera ...“ 14) Näheres über den Vortrag des Freiherrn v. Widman und den Ablauf der Fiera ist meiner eingangs erwähnten Studie zu entnehmen. 15) H.H.u.StA.: Österreich-Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9 (423). — „... e effetuava poco d’aver mandato un certo Dottore Moresky con inviti a Sini­gaglia e sarebbe stato meglio, ehe se avesse data Tincombenza ad un altro sogetto piu qualificato e sperimentato .. .“ “

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