Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

GASSER, Peter: Die Handelsbeziehungen des Litorale zu den Ländern der böhmischen Krone im 18. Jahrhundert

96 Peter Gasser samtergebnis. Zu weiteren Messen sollte es jedoch in Triest nicht mehr kommen. Ungeachtet der bedauerlichen, mit dem Geschick der Orientalischen Handelskompagnie zusammenhängenden Komplexe, hätte die „Fiera di Trieste“ noch erfolgreich gestaltet werden können, wenn sie organi­satorisch und propagandistisch richtig aufgezogen und eine berufene Persönlichkeit, wie etwa C e r v e 11 i, mit ihrer Durchführung vor­behaltlos betraut worden wäre. Dies war aber nicht der Fall. Wie auf anderen Gebieten, konnte sich die karolinische Regierung zu diesem Zeitpunkte auch auf dem merkantilen Sektor zu keinerlei konsequenten und großzügig geplanten Entscheidung mehr aufraffen. In den folgenden Jahren war sie, allein schon aus außenpolitischen Gründen, dazu nicht mehr in der Lage. Als sich dreißig Jahre später Maria Theresia nach Abschluß des siebenjährigen Krieges den wirtschaftlichen Problemen ihres Reiches wieder mit Nachdruck widmen konnte, tätigte Böhmen nach wie vor seine nach Westen und Norden gehenden Exporte vornehmlich über Hamburg. Ein beträchtlicher Teil der Frachtkosten floß so in fremde und was in Anbetracht des nunmehr endgültigen Verlustes Schlesiens vor allem be­trüblich war, in preußische Taschen. Diesem Übelstande plante Johann Carl Graf Lichnowsky, Präsi­dent der Triester Kommerzialhauptintendenza, durch die Umleitung dieser Ausfuhren über Triest zu begegnen, wobei er allerdings die Tatsache über­sah, daß etwa englische Waren via Hamburg nach Wien nur drei Monate, über Triest eingeführte einschlägige Produkte jedoch ein Vielfaches an Zeit benötigten. Dieser verkehrsgeographisch bedingten Situation trug Maria Theresia zunächst nicht Rechnung. Sie sah vielmehr bei der Verwirklichung des Lichnowskyschen Planes künftige Vorteile für die ihr so sehr am Herzen liegende Adriastadt vor allem durch die Ausfuhr böhmischer Glaswaren nach Spanien heranreifen. Am 31. XII. 1761 erging an die Intendenza der Auftrag, die Triester Kaufleute dahin zu befragen, wie der bislang über Hamburg geleitete böh­mische Expert in Zukunft über Triest zu bewerkstelligen wäre16). Der an die Kaiserin erstattete Intendenzabericht vom 8. X. 1763 übermittelte das Begehren der Triester Kaufmannschaft, die über Hamburg gehenden Ausfuhren durch höhere Exportzölle zu beschweren oder zumindest die Kolonialwareneinfuhr nur über Triest zu gestatten17). Noch im selben Jahre wollte die Monarchin in Triest ein Lagerhaus für mährische Tuch­waren errichten, für die ihrer Ansicht nach in Italien und in der Levante günstige Absatzmöglichkeiten bestanden16). Maria Theresia teilte somit 16) HKA.: Lit. Fasz. 133 (1). 17) HKA.: Lit. Fasz. 133 (6). is) HKA.: Lit. Fasz. 133 (15).

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