Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

594 Literaturberichte Beitrag weit gespannt. Daß unter diesen Umständen manches nur knapp gehalten werden konnte, ist wohl entschuldbar und mindert in keiner Weise den Wert dieser dankbar auf genommenen historisch-philologischen Studie. Ein Jahr nach dem Tode Petrarcas erwählte die Communita von Florenz den Lieblingsschüler und geistigen Erben des großen Dichters Coluccio Salutati zu ihrem Cancelliere. In dieser Eigenschaft führte Coluccio bis zu seinem im Jahre 1406 erfolgten Tode über drei Dezennien die auswärtigen Angelegenheiten des Freistaates. Er führte sie in einer bewegten Zeit. Galt es doch, sich der Angriffe des mit den Visconti ver­bündeten Papstes Gregor XI. zu erwehren, in dem wieder einmal zwischen Venedig und Genua entbrannten Kampfe eine, beide Parteien nicht ver­letzende Stellung zu beziehen und darüber hinaus auch die Entwicklung außerhalb Italiens im Auge zu behalten, wo in einer Phase des hundert­jährigen Krieges die Engländer vor der Räumung Frankreichs stehen, und im Reich Kaiser Karl IV. sich anschickt, die Herrschaft den unsiche­ren Händen Wenzels zu überantworten. Anschaulich schildert in „I cancellieri umanisti della republica fiorentina“ Eugenio Garin, wie die Geschicke der von Kaufieuten und Handwerkern regierten Republik in diesen Jahr­zehnten den Händen oder richtiger dem Griffel des Cancelliere anvertraut waren. Klar zeichnet er das Bild eines Mannes, den, als Tiefgläubigen, die mutwillig ausgesprochene Exkommunikation zwar schmerzlich treffen, nicht aber von dem als richtig erkannten Weg abzubringen vermochte. Nur in Leonardo B r u n i, dem Cosimos Triumph zu erleben nicht erspart bleiben sollte, erblickt Gari n, obwohl er ihn mehr als Gelehrten denn als Staats­mann schätzt, den einzig würdigen Nachfolger Salutatis. Den späteren Cancellieri Marsupini und Poggio Braeiolini blieb zwar die Ent­scheidung in sprachlich-stilistischen, nicht jedoch in politischen Fragen überlassen. Letztere behielt sich nunmehr der Principe selbst vor. Höher wäre aber Franco G u e r e 11 o s Aufsatz „La crisi bancaria del piacentino Guglielmo Leccacorvo“ schon aus der Tatsache zu bewer­ten, da dem Forscher diesbezügliches Quellenmaterial aus den Archiven Genuas und Piacenzas nur in spärlichem Ausmaße zu Gebote stand. Das Falissement des „grasso“ Leccacorvo wird, allerdings ohne Angabe näherer Gründe, auch in J. Roberto L o p e z’s Werk „Studi suH’economia genovese nell Medioevo“ erwähnt. Für G u e r e 11 o s Untersuchung liefert diese Bankaffäre ebenfalls nicht das essentielle Movent, sondern lediglich die Möglichkeit, Genuas merkantilpolitische Entwicklung im 13. Jahr­hundert von einer neuen Warte aus zu durchleuchten. In den Jahren 1248— 1255 hatte die Stadt eine Periode der wirtschaftlichen Hochkonjunktur, „.. . anni di guadagni facili e abbondanti ...“, erlebt. In der Auseinander­setzung zwischen Innozenz IV. und dem Staufer Friedrich II. zeichnete sich in diesen Jahren der Erfolg der welfischen Partei, zu deren Hauptstützen Genua zählte, ab, während gleichzeitig Ludwig IX. von Frankreich seinen Kreuzzug unter Inanspruchnahme beträchtlicher genuesischer Anleihen vorbereitet. Im Jahre 1255 bricht, da die Aufträge plötzlich ausbleiben, die Krise im Schiffbau, die in der Folge auch auf andere Industriezweige übergreift, aus. Diese Ereignisse erschüttern zwar das Bankhaus Lecca-

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