Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780
Rezensionen 595 corvo, doch führen sie zunächst, da von maßgeblicher Seite beträchtliche Kredite eingeräumt werden, noch nicht seine Insolvenz herbei. Diese stellt sich erst im Jahre 1259 ein, als auf Grund undurchsichtiger Machinationen die geliehenen Kapitalien rückgefordert werden. Der aus Piacenza gebürtige Leccacorvo, ein fähiger Organisator, aber kein weitsichtiger Finanzmann, ist im Grunde genommen nur eine Figur im politischen Schachspiel der Fieschi, Grimaldi, der Usodimare und anderer Patrizier. Doch erlaubt das karge Quellenmaterial über den Bankier der glücklichen Intuition Guerellos wertvolle und vor allem lückenschließende Ergänzungen an der Geschichte Genuas vorzunehmen. Im Mittelpunkt von Franco Venturis Untersuchung „Alle origini deH’illuminismo Napoletano“ steht der Florentiner Bartolomeo I n t i e r i, den die Verwaltung in Süditalien gelegener Güter einiger seiner Landsleute nach Neapel geführt hatte. Seine als musterhaft bezeichnete Güteradministration läßt dem universalgebildeten Manne, dessen Hauptinteresse den Naturwissenschaften gehört, ausgiebig Zeit, sich auch in Briefen mit allen ihn umgebenden Fragen u. Problemen zu befassen. Seine so verbreiteten Gedanken der Aufklärung stoßen zwar auf den Widerstand gewisser kurialer Kreise, deren Einfluß in Neapel nach wie vor bedeutend ist, fallen aber dennoch oder gerade deshalb in einem bis vor kurzen unter spanischen Dominium gestandenen Lande auf fruchtbaren Boden. I n t i e r i begegnet der kaiserlichen Verwaltung, soweit sie nicht die Person des Vizekönigs Grafen A11 h a n betrifft, dessen Politik er als „rovinosa“ bezeichnet, mit loyaler Sympathie. Sein Verhältnis zu den nachfolgenden Gallospaniem wird in diesem Zusammenhang nicht berührt. Unter den vielen Korrespondenzen des Bartolomeo I n t i e r i verdienen vor allem die mit dem Kardinal Neri Corsini, einem Neffen Papst Clemens XII., die mit Giovanni B o 11 a r i und die mit Celestino G a 1 i a n i geführten Beachtung. V enturi ediert jedoch nur die in den Jahren 1751—1753 an den Pisaner Arzt u. Naturforscher Antonio Cocchi gerichteten Briefe I n t i e r i s, in denen hauptsächlich von den hydrotherapeutischen Theorien des Cocchi gesprochen wird. Es bleibt Venturis Verdienst, dem Leser eine überragende Persönlichkeit des italienischen Settecento nähergebracht zu haben, die etwa mit dem einem anderen Jahrhundert und Milieu zwar entstammenden Wolf Helmhard von Hohberg, dem 0. Brunner mit dem Werke „Adeliges Landleben und europäischer Geist“ ein bleibendes Monument gesetzt hat, verglichen werden könnte. Giorgio Falco versucht in „Momenti e motivi dell’opera muratoriana“ die Kräfte und Strömungen, denen Muratori im Zuge seiner gewaltig ausgreifenden historisch-theologischen Untersuchungen unterworfen war, und die zur endgültigen Formung seiner Persönlichkeit beitrugen, zu analysieren. So betrachtet, sind F a 1 c o s Erkenntnisse als wertvoll und richtungsweisend anzuerkennen. In jeder Hinsicht erschöpfend und mithin befriedigend, konnten sie schon im Hinblick auf die in diesem Rahmen gebotene Knappheit nicht ausfallen. Deßungeachtet liefert dieser Aufsatz ein zumindest in den Umrissen klar profiliertes Bild Muratoris und seiner Werke, dem, wie zu hoffen ist, in Bälde aus der gleichen Feder 38*