Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780
Rezensionen 587 bracht, d. h. im Pferdestall, in Dörfern und im Kaffeehaus. Guter Reiter, ausgezeichneter Pferdekenner, würde er einen sehr guten Oberst-Stallmeister des Kaisers abgeben, aber als Staatsmann, als Kriegsminister war er »plus que nul«“. Vom April 1852 bis Oktober 1859 übte er une influence prédominante auf den Kaiser. ,,Listig, schlau, falsch, »extrémement jaloux«, umgab er den Kaiser mit »nullités«, schenkte sein Vertrauen einem zwar befähigten, aber gefährlichen Intriganten (General Schiitter), benützte er seine Macht, um der Protektion oft unwürdige Individuen zu begünstigen und zu fördern; grob und »vulgaire« in seinen Umgangsformen“, „aber dem Kaiser sehr ergeben, guter österreichier und das Wohl der Monarchie »voulant« unter der Bedingung, daß es durch seine Vermittlung geschieht“, nahm er mehr und mehr die »allures« eines allmächtigen Günstlings“ an, „besetzte die hohen militärischen Posten mit Leuten seiner Wahl, beeinflußte mit Hilfe General Schiitters aufs ungünstigste die Organisation der Armee, aus der er eine privilegierte Kaste machte, durch einen Abgrund getrennt von den übrigen Österreichern, gierig bedacht auf sein »avance- ment« und auf Geld, herrisch, grob und von größtem Einfluß auf die politischen Fragen“. Nun, alles, was der Forschung schon bisher über die Persönlichkeit Grünnes und seinen ungünstigen Einfluß auf den Kaiser bekannt war, wird von Hübner bestätigt und durch neue Züge bereichert; es entsteht hier, geschöpft aus unmittelbarem Erleben, ein Portrait von außerordentlicher Plastik und von bleibender Gültigkeit. Besonderes Interesse werden die Notizen Hübners über die mehr im Hintergrund bleibende Gestalt des Generals Karl Sch litter Freiherrn von Niedernberg finden, den man einen der übelsten „Heerverderber“ und Militärbürokraten genannt hat. Er war, wie Hübner berichtet, „die rechte Hand Grünnes, der Schöpfer der neuen Armee-Organisation“, deren üble Beurteilung durch die Ereignisse des Jahres 1859 bestätigt wurde — „er war der militärische Bach der Epoche“, er, »le grand destructeur de l’armée«. Hübner ist, so scharf er auch mit den führenden Männern seiner Zeit ins Gericht geht, doch stets um die Gewinnung eines objektiven Urteils bemüht, trotzdem bedürfen auch diese wohl ausgewogenen Charakteristiken noch einer sorgfältigen Überprüfung und in manchen Punkten einer Richtigstellung. So ist gewiß seine Behauptung, Feldzeugmeister Heinrich Freiherr v. Heß, von dem er sagt, daß ihn Grünne seit 1855 vom Kaiser ferngehalten habe, und dem er sein mérite militaire nicht bestreitet, sei »un triste politique« gewesen und habe »trop peu de tete« besessen, um eine politische Rolle spielen zu können, gewiß unzutreffend. Hier trübt zweifellos Hübners persönliche Abneigung gegenüber Heß als einem der »chefs du parti militaire« sein sonst meist unvoreingenommenes Urteil. Ganz ausgezeichnet weiß Hübner den heiß umstrittenen Innenminister Franz Josephs, Alexander Bach, zu charakterisieren: „begabt mit einem unbestreitbaren Talent, einem feinen“, allerdings „wenig tiefen und in der Schule der Revolution irregeleiteten Geist, aber »fertile« an Auskunftsmitteln; Advokat bis in die Fingerspitzen .... »d’un natúréi doux et gai, soumis et respectueux envers les supérieurs«, familiär mit Gleichgestellten, leutselig (»affable«) zu den Untergebenen, zugänglich allen An