Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

588 Literaturberichte sichten. .. . durch keine Skrupel und keine Überzeugung gehemmt, von Natur Eindrücken zugänglich ...— wahrhaft, das ist Alexander Bach, wie er wirklich war! Weniger glücklich findet sich Hübner mit Graf Franz Stadion zurecht, den er einigermaßen widerspruchsvoll als Bürokraten und als Ideologen bezeichnet, »tete peu claire« und »dépourvu de sens politique«; etwas gönnerhaft nennt er den Grafen »bon enfant, honnéte, loyal, mais somme toute sans portée réelle ni d’ésprit ni de caractére«. Spürbar ist Hübner bei der Beurteilung Stadions von seinem Wissen um die spätere geistige Erkrankung des Grafen beeinflußt, an dessen »capacités« er von dem Augenblick an gezweifelt haben will, da er ihn mit einer ihm Schauder erregenden »légéreté« an seine schweren Aufgaben herangehen gesehen habe. Auch Bruck wird von Hübner einigermaßen unterschätzt. Er billigt ihm zwar »une tété carrée«, Ideenreichtum, sowie Großzügigkeit und Kühn­heit in seinen Entwürfen zu, meint jedoch, er hätte im Kabinett Schwarzen­berg wenig politischen Einfluß besessen, sei „plutőt drapeau libéral qu’un instrument politique“ gewesen, was seinem Anteil an der deutschen Politik Schwarzenbergs in keiner Weise gerecht wird. Ähnlich ergeht es Hübner mit K ü b e c k. Er bewundert seine »connais- sance prodigieuse« aller Gesetze und Verordnungen, spricht ihm jedoch staatsmännische Eigenschaften ab, was insoferne zutrifft, als Kübeck die geistigen Triebkräfte der Zeit nicht erfaßte und die Monarchie mit der Auf­richtung des Neuabsolutismus einen aussichtslosen Irrweg führte. Un­glaubhaft erscheint es dagegen, wenn Hübner von ihm sagt: »ses formes étaient vulgaire, son coeur aussi«. Wenn nun gleich alle diese Miniaturportraits noch einer gründlichen Nachprüfung bedürfen — und das Gleiche gilt von Hübners Tatsachen­berichten —, so beschränkt sich die Bedeutung des „Resumées“ als ge­schichtlicher Quelle nicht auf die Mitteilung neuer Einzelheiten, so sehr diese auch zu begrüßen sind, es ist vielmehr auch schon die Bestätigung bereits bekannter Tatsachen durch einen Zeitgenossen von der Kapazität Hübners von hohem Wert. Und so darf man der Herausgeberin für die Veröffentlichung dieser für die Zeit des franzisko-josephinischen Neu­absolutismus ungemein wichtigen Quelle herzlich dankbar sein, obzwar die Edition manchen Wunsch offen läßt — so fehlt jede Kommentierung und bedauert man den Mangel eines Registers — und auch im Text manche Fehler unterlaufen sind. Friedrich Walter (Wien). I v á n y i Emma, Magyar minisztertanácsi jegyzó'könyek az első világ háború korából 1914—1918 (Ungarische Ministerratsprotokolle zur Zeit des ersten Weltkrieges 1914—1918). Akadémiai Kiadó. Budapest 1960. 581 Seiten -{- 7 Tabellen. Die Ausgaben des Ungarischen Staatsarchivs II. Quellenpubli­kationen 8. Die Auswahl des Ungarischen Staatsarchivs, die von Emma Iványi zusammengestellt und eingeleitet wurde, bringt ausgewählte Protokolle des Ungarischen Ministerrates aus der Zeit des ersten Weltkrieges. Der wich­

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