Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

574 Literaturberichte gefaßtes Vorbehalte wegen Übergehung dieses oder jenes Ereignisses, dieser oder jener Persönlichkeit heranzutragen, hieße doch wohl seine Funktion überfordern. Ein Handbuch wird kaum einmal allen Anforderungen ent­sprechen können und der Verfasser dieses Handbuches wird sich selbst schon oft genug mit dem landläufigen Sprichwort, daß man es eben nie allen recht machen kann, getröstet haben. Ein Handbuch erfüllt dann seinen Zweck, wenn es gebraucht wird und denen, die es brauchen und benützen, unentbehrlich ist und daß diese Feststellung auf seine Kirchengeschichte Österreichs zutrifft, soll dem Kirchenhistoriker Wodka dankend imd an­erkennend bescheinigt werden. Kichard B 1 a a s (Wien) Coreth Anna, Pietas Austriaca, Ursprung und Entwicklung barocker Fröm­migkeit in Österreich. Österreich Archiv, Schriftenreihe des Arbeitskreises für österreichische Geschichte, Wien (Verlag für Geschichte und Politik) 1959, 75 S., ö. S 37.—. In zunehmendem Maße wird das Verhältnis des Menschen zum Numi- nosen, die Frömmigkeit des Einzelnen, bestimmter Gruppen und Völker als zentraler Punkt jeder kulturellen Äußerung erkannt. Dieser Erkenntnis folgt auch die Geschichtswissenschaft mit ihren Hilfswissenschaften, die den großen Reichtum sich überschichtender Formen und Gegenstände der Frömmigkeit vergangener Epochen und deren vielfache und lebendige Be­ziehungen zur Gegenwart erschließen und untersuchen. Sieht man von den historischen Forschungen der Theologen, vor allem der Liturgiker und Pastoraltheologen ab, so ist in geistes- und literaturgeschichtlicher Hin­sicht Frankreich vorangegangen, während vor allem die Forscher der historischen Volkskunde, von der lebenden Frömmigkeit ausgehend, die historischen Schichten religiösen Verhaltens in Inhalt und Form zu er­fassen suchen. Anna Coreth verbindet nun gewissermaßen beide Möglichkeiten und weist über sie hinaus: Vom Nachleben der barocken Frömmigkeit in Öster­reich ausgehend (deren Kenntnis vorausgesetzt wird), weist sie auf den Ursprung zurück und findet diesen — der im Barock verbindlichen feudal­dynastischen Gesellschaftsordnung mit noch intaktem „Vorbildverhältnis“ ihrer Träger folgend — in der persönlichen Frömmigkeit der Habsburger. Diese persönliche Devotion der Herrscher und ihrer Frauen zur Eucha­ristie, ihre „fiducia in Crucem Christi“, ihre Verehrung Mariens und der Heiligen, ist aber zugleich die spezifische Pietas des Hauses Österreich und wird so gesehen zum Leitbild des frommen Verhaltens einer Epoche und — eines Weltreiches. Nun ist das Allgemeine der Pietas Austriaca leichter zu fassen als die persönliche Frömmigkeit des Einzelnen. Das liegt nicht nur an der Ver­borgenheit der Frömmigkeitsäußerungen überhaupt, sondern auch an der Art der Quellen, die dem Historiker zur Verfügung stehen. Die Autorin zieht aber nicht nur die oft von Hofbeichtvätern (denen die Pietas als Herrschertugend wesentlich sein mußte) verfaßten Lebensbeschreibungen, sondern auch reiches, in dieser Art noch nicht ausgewertetes oder unbe­kanntes Material des Haus-, Hof- und Staatsarchivs heran. In allen vier Kapiteln des Buches, die den oben erwähnten Hauptgegenständen barocker dynastischer Devotion gewidmet sind, wird die Darstellung der persönlichen

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