Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

Rezensicmen 575 Frömmigkeit der Mitglieder des Hauses Österreich in den allgemeinen Ablauf der europäischen Geistesgeschichte von der Gegenreformation zur Aufklärung und zur wachsenden Säkularisierung eingeordnet. So kann diese Untersuchung zugleich als Grundlage für die Erfüllung eines Wunsches dienen, den die Lektüre nach sich zieht: nämlich die reichen Kunst- und kunstgewerblichen Denkmäler der barocken Pietas Austriaca (vom Bauwerk über das Andachtsbild bis zum Kultgerät) von der Persön­lichkeit ihrer Träger her zu bearbeiten und darzustellen. Das Wesen beider, der Herrscherpersönlichkeiten und der Denkmäler, könnte so neu erhellt und unsere Kenntnis von persönlicher und allgemeiner barocker Frömmig­keit bedeutend bereichert werden. Hans Aurenhammer (Wien). Haas Alban, Die Lazaristen in der Kurpfalz. Beiträge zu ihrer Geschichte. Selbstverlag des Verfassers, Speyer 1960. Brosch. 120 Seiten. Seit vielen Jahren war der Autor gegenüber einer heftigen Kritik am Orden der Lazaristen, die von einem zum anderen pfälzischen Geschichts­werk fortgeschleppt wurde, mißtrauisch geworden. Diese Kritik war eine stehende Meinung geworden. Sie geht vor allem auf eine Schmähschrift zurück, die, von einem Anonymus im Jahre 1793 verfaßt und publiziert, damals ungeheures Aufsehen erregte, während die Erwiderungen in den Stürmen der Koalitionskriege verhallten. Später wurde die Schmähschrift als Hauptquelle für das Wirken der als Nachfolger der Jesuiten im Jahre 1783 in die Pfalz berufenen Lazaristen angesehen und die darin geschilderte Mißwirtschaft erschien als begreifliche Ursache für den schnellen Unter­gang der Kongregation im Jahre 1796. Es war dem Verfasser dieser Studie möglich, den Autor des Pamphlets zu identifizieren. Es war Johann Peter Arnold Mathy, der als Weltpriester 1782 in den Dienst der Lazaristen getreten ist und als Gymnasialprofessor tätig war, dann aber wegen seiner aufgeklärten Ansichten entlassen wurde. Später trat er zum Protestantismus über und verheiratete sich. Alban Haas hat sich nun mit großer Gewissenhaftigkeit an die Suche nach Quellen gemacht, die die Wahrheit erhellen könnten, und fand ein erstaunlich reiches Material, das ihm vor allem das Badische General-Lan­desarchiv in Karlsruhe, aber auch Bibliotheken und Archive in Heidel­berg, Mannheim, Speyer, Neustadt, München, sowie verschiedene Ordens­archive in Frankreich lieferten. Denn der Orden war ein französischer und die ersten Patres waren aus Frankreich in die Pfalz gekommen. Dieser Umstand brachte eine der großen, nie ganz überbrückten Schwierigkeiten mit sich. Etliche der französischen Patres zogen sich alsbald wieder von ihren deutschen Posten zurück, was dem Orden zum Vorwurf gemacht wurde. Größer aber noch waren die Hemmnisse in finanzieller Hinsicht, und in diesem Punkt besonders konnte durch die Studie Klarheit geschaffen werden. Es konnte entgegen den Anschuldigungen der Verschwendung nach­gewiesen werden, daß die Bedingungen, unter welchen die Lazaristen die Jesuitengüter übernommen haben, eine völlig unhaltbare Basis schufen. Erst dem bedeutenden dritten Superior, P. Peter Anton Saligot, gelang es,

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