Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780
568 Literaturberichte werden, den die Lektüre des Buches vermittelt, da gerade für diesen Hauptabschnitt des Werkes die Quellenangaben und der wissenschaftliche Apparat für eine Beurteilung der politischen Tätigkeit des Kaisers in den einzelnen Schlußphasen des großen Bingens um die Erhaltung respektive um die Gründe für den Zerfall der Monarchie unentbehrlich sind. Gerade in jüngster Zeit sind zu diesem Problemkreis einige grundlegende historische Werke erschienen1). Abschließend darf wohl festgehalten werden, daß man wird unterscheiden müssen zwischen den objektiven Gegebenheiten und den subjektiven Bemühungen des Kaisers, die katastrophale Lage zu meistern, und hier wird man dem Verf. voll zustimmen müssen, wenn er Kaiser Karl die lautersten Absichten, den besten Willen und die aufopferndste Tätigkeit für das Wohl der ihm anvertrauten Völker zubilligt und für ihn den Ehrentitel eines „geborenen Menschenfreundes und Friedensfürsten“ zu vindi- zieren sucht. Als großen Staatsmann und überragende politische Persönlichkeit wird man den letzten Kaiser der Monarchie kaum ansprechen, wohl aber wird man dem Verf. beipflichten, der auf die Frage nach dem nachhaltigsten Eindruck, den die so eingehende und ehrlich um objektive Wertung bemühte Beschäftigung mit dieser Biographie auf ihn gemacht habe, antwortet: „es ist der von der Ausweglosigkeit der Lage des Kaisers, wo jeder Versuch der Besserung sofort seine Kehrseite zeigte und wahrscheinlich kein Ausweichgleis mehr am Untergang vorbeiführte“. Genau das ist auch der Eindruck, den die Lektüre dieser Biographie, aus der man die innere Anteilnahme des Verf. herausfühlt, hinterläßt. Zum Staatenlenker und politischen Genie muß man geboren sein, aber wie Kaiser Karl in den tragischen politischen Verstrickungen und den damit zusammenhängenden persönlichen Aufgaben sein Schicksal meisterte, zeigt ihn trotz allen Mißlingens doch als starke Persönlichkeit und edlen Charakter, dem die von Beinhold Lorenz gewidmete Biographie zum erstenmal geschichtliche Würdigung und Gerechtigkeit zuteil werden läßt. In diesem Sinne ist diese Biographie ein durchaus anerkennens- und dankenswerter Versuch und es ist nur zu wünschen, daß auch das zur vollen Durchdringung und notwendigen wissenschaftlichen Ergänzung angekündigte Beiheft mit den Anmerkungen und Exkursen vom Verf. bald vorgelegt werden kann. Bichard B 1 a a s (Wien). Heeresgeschichte Hubatsch Walther, Der Admiralstab und die obersten Marinebehörden in Deutschland 1848—1945. Verlag für Wehrwesen Bernard & Graefe, Frankfurt am Main 1958. 269 S., 6 Abb. Hubatsch stellt sich in der vorliegenden Arbeit eine doppelte Aufgabe, nämlich einerseits die Entstehung der Operationspläne und anderseits die Entwicklung des Oberbefehles zu untersuchen. Von den Problemen der Führungsorganisation her will er die verfassungsgeschichtlichen, außenpolitischen und seemilitärischen Voraussetzungen und Entscheidungen der l) Leo Valiani, Recenti pubblicazioni sulla prima guerra mondiale in Rivista storica Italiana, Anno LXXII-Fascicolo III, p. 445—479.