Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780
Rezensionen 559 Wenn der Verfasser sein Nachwort mit einem leisen Unterton von Resignation abschließt: „wie wenig wissen wir von dem, was gewesen ist“ (S. 350), so kann man ihm nach der Lektüre dieses Buches mit voller Befriedigung antworten: jetzt doch bedeutend mehr. An Engel-Janosi’s zweibändigem Werk „Österreich und der Vatikan“ wird kein Forscher, der über diesen Problemkreis arbeitet, vorbei können, denn es erfüllt in vollem Umfang die Funktion eines Wegweisers zum inneren Verständnis und Erfassen der geschichtlichen Vorgänge der behandelten Epoche. Wer es benützt, wird dankbar feststellen, daß es nicht nur wissenschaftlich exakt konzipiert, sondern auch meisterhaft geschrieben ist und den Lesenden an dem Erlebnis teilhaben läßt, das dem Verfasser bei seiner Arbeit über alle Anerkennung hinaus innere Befriedigung geschenkt hat. Wir dürfen das vorliegende Buch überzeugt und dankbar der Reihe großer österreichischer Geschichtswerke hinzufügen. Richard B 1 a a s (Wien). Archivwissenschaft Gesamtinventar des Steiermärkischen Landesarchives. Unter Mitarbeit der Beamtenschaft herausgegeben zum steirischen Gedenkjahr 1959 von Landesarchivdirektor Dr. Fritz Posch = Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchivs 1, Graz 1959, 482 S. Mit Recht nennt sich vorliegendes Werk ein Gesamtinventar. Wie nämlich die geschichtliche Übersicht aus der Feder des Herausgebers zeigt, ist das Steiermärkische Landesarchiv in seiner gegenwärtigen Gestalt vielschichtig. Dies will in einem doppelten Sinn verstanden sein, im Hinblick auf die Vielfalt der Bestände, nicht weniger aber auch bei Betrachtung der historischen Entwicklungslinien, aus denen diese Anstalt entstanden ist. Erzherzog Johann und seine Schöpfung, das Joanneum, mit dem dort erwachsenen Archiv stehen am Anfang. Die Geistesrichtung der Romantik und die Mentalität des Sammlertums erhält ein neues Gepräge, als eines der ältesten Mitglieder des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Joseph Zahn, 1861 als Landesarchivar sein Amt in Graz antritt. Sieben Jahre später gelingt ihm die Vereinigung mit dem ständischen Archiv, 1873 kann das unter seiner Leitung stehende Landesarchiv auf der Wiener Weltausstellung mit einer beachtlichen Leistungsschau, vor allem auch auf dem Gebiet des Schriftdenkmalschutzes, hervortreten. Noch ist das staatliche Archivgut des Landes nicht voll erfaßt. Dem Zug der Zeit entsprechend entsteht 1906 das Archiv der k. k. Statthalterei in Graz. Die auch in anderen Ländern bestehende Doppelgeleisigkeit erfährt durch die Entwicklung nach 1918 eine positive Wendung, der Weg zu einem einheitlichen Landesarchiv wird frei. Freilich, Joanneumsarchiv, landschaftliches Archiv und die Archive der staatlichen Hoheitsverwaltung greifen in ihrem Umfang oft weit über die Grenzen des Landes hinaus. War doch Graz durch lange Zeit Mittelpunkt der innerösterreichischen Zentralverwaltung. Lagen sowohl für das landschaftliche Archiv durch Mell, wie für das ehemalige Statthaltereiarchiv durch Thiel und Kapper gewisse Vorarbeiten