Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780
560 Literaturberichte für das Archivinventar vor, so mußte das neue Werk, eben das Gesamtinventar, auf durchaus neue Grundlagen gestellt werden. Nur so konnte ein frischer Guß entstehen. Forscher und Laien, Fachhistoriker ebenso, wie auf dem Gebiet der Heimatkunde Tätige, werden gerne und mit reichem Nutzen zu dem vorliegenden Band greifen. Auch der Archivar wird aus den knappen, aber klaren Strichen, mit denen das Wachsen und das Wesen der einzelnen Bestände gezeichnet wird, beachtliche Fingerzeige für das Problem der Schriftgutbewahrung in Österreich, ihre Voraussetzungen und Charakteristika, entnehmen können. Gerade der Archivar wird aber auch die Leistung verstehen und zu schätzen wissen, die Fritz Posch und seinem Mitarbeiterstab gelungen ist. Walter Goldinger (Wien). Biographien Brandi Karl, Kaiser Karl V. Werden und Schicksal einer Persönlichkeit und eines Weltreiches. 5. Auflage 1959. Verlag F. Bruckmann, München. 563 Seiten mit einem Farbbild, einer Stammtafel und zwei Kartenbeilagen. Tyler Royall, Kaiser Karl V. Ins Deutsche übertragen von Hugo von Haan. Mit einem Vorwort von Carl J. Burckhardt. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1959. 392 Seiten. Mit 38 Abbildungen und drei Karten. Das erste der beiden vorliegenden Werke bedarf eigentlich kaum noch einer näheren Würdigung. Seit dem ersten Erscheinen im Jahre 1937 gilt das Buch Brandis als ein Standardwerk und ist bis zum heutigen Tag eine der großen Biographien der Weltliteratur geworden, dank der zahlreichen Übersetzungen in fremde Sprachen. In umfassenden, jahrzehntelangen Vorarbeiten hat der große Göttinger Gelehrte zusammen mit einem Team von ausgesuchten Mitarbeitern die soliden quellenmäßigen Grundlagen zu diesem Werk geschaffen, das nichtsdestoweniger einen weiten Leserkreis anzusprechen vermag und eine für historische Werke ganz ungewöhnliche Verbreitung erfuhr; bis 1942 erschienen in Deutschland vier Auflagen des ersten (Text-) Bandes. Dem Verleger gebührt unser Dank, daß er nunmehr das Werk wieder vorgelegt hat. Die 5. Auflage weist noch kleine textliche Veränderungen auf, die von dem 1946 verstorbenen Verf. selbst stammen. Die Ausstattung ist sparsamer als die der vorhergehenden Auflagen, ohne daß dem Werk dadurch Abbruch geschieht. Es ist zu erwarten, daß auch die neue Auflage viele Interessenten findet, denn gerade die Feierlichkeiten anläßlich des 400. Todestages Karls V. haben gezeigt, daß das Bild, das B. vom „letzten universalen abendländischen Kaiser“ entworfen hat, noch immer giltig ist, mögen auch einzelne ideengeschichtliche Ansätze umstritten sein. Ein Wunsch darf hier aber noch geäußert werden. Es wäre für die Geschichtswissenschaft von großem Nutzen, wenn sich der Verlag entschließen könnte, auch den zweiten Band, die „Quellen und Erörterungen" neu aufzulegen. Von ihm existiert nur eine Auflage von 1941, die total vergriffen ist und von der viele Exemplare in öffentlichen Bibliotheken und Instituten während des Krieges verloren gegangen sind. Stellt der erste Band von B. ein biographisches Meisterwerk dar, so wird die historio-