Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

Rezensionen 553 S. 63 die zwei den in Preußen lebenden Polen gewidmeten Absätze. Darin gibt Haselmayr zwar zu, daß die Polen von einem „natürlichen Sehnen nach dem Wiedererstehen eines polnischen Staates beseelt“ waren, doch habe die preußische Staatsführung angesichts des loyalen Verhaltens auch in den Kriegen von 1866 und 1870/71 gehofft, daß „die polnischen Bevölkerungs­teile mehr und mehr im Deutschtum aufgehen würden; sie unterschieden sich ja auch äußerlich kaum von den Deutschen und wirtschaftlich erging es ihnen im Durchschnitt entschieden besser“ als in Galizien oder Russisch- Polen. Ein starkes Hindernis für den Verschmelzungsprozeß sei jedoch die religiöse Verschiedenheit gewesen. Ob man durch eine solche Darstellungsweise unter sorgfältiger Vermei­dung eines Eingehens auf tiefer liegende Probleme wirklich das Verständ­nis der außenpolitischen Fragen der Gegenwart fördern kann, bleibe dahingestellt. Walter Wagner (Wien) Fellner Fritz, Der Dreibund. Europäische Diplomatie vor dem Ersten Welt­krieg. (Österreich-Archiv.) Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1960. 93 Seiten. Der Titel dieser wertvollen Studie ist insoweit nicht ganz zutreffend, als es dem Verf. nicht um eine erschöpfende Geschichte des Dreibundes zu tun ist. Dazu hätte der Rahmen dieser Reihe kaum genügt. F. bietet nicht einmal eine Übersicht über alle Probleme dieser problematischen Allianz, sondern begnügt sich im wesentlichen, einen — wenn auch sehr wichtigen — Teilaspekt zu behandeln, nämlich die Stellung Italiens innerhalb des Bündnisses und dabei besonders das österreichisch-italienische Verhältnis. Insofern behebt das Büchlein nicht den in der Einleitung beklagten Mangel einer Gesamtdarstellung. Aber auch die vorliegende partielle Behandlung des Themas ist vorderhand auf weite Strecken hin quellenmäßig noch ungenügend untermauert, das Politische Archiv des gemeinsamen Mini­steriums des Äußern ist nur mit sehr wenigen Einheiten zitiert. Dem Verf. ging es offenbar in der Hauptsache darum, mit veralteten Vor­stellungen innerhalb der österreichischen Geschichtsschreibung, vor allem mit der populären These von der verräterischen Politik der „Katzelmacher“ bis 1915 aufzuräumen. In der historischen Literatur des Auslandes sind diese Ansichten freilich ebenso überholt, wie die Theorie von den starren Fronten, die für die Diplomatie vor dem Ersten Weltkrieg bestimmend ge­wesen seien. Im Hinblick auf das internationale historische Schrifttum würde diese Arbeit daher offene Türen einrennen, wenn sie nicht das begrüßenswerte Ziel verfolgte, im Inland bahnbrechend zu wirken und gewisse längst überholte Anschauungen und hartnäckige Lehrmeinungen zu überwinden. Wenn das Werk kaum nennenswerte neue Fakten bringen kann, so ist es umso wertvoller wegen einer Fülle kluger Bemerkungen und scharfer Beobachtungen. F. weist gleich zu Beginn auf die fundamentalen Schwächen des Drei­bundes hin, die gleichsam im immanenten Staatsprinzip Österreich-Ungarns und Italiens lagen: während die Außenpolitik der Doppelmonarchie mehr von statisch-passiven Maximen beherrscht blieb (mit Ausnahme der Ära Aehrenthal), war in Italien das aktive, dynamische Element vorherrschend.

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