Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

552 Literaturberichte deutschen Auswärtigen Amtes, oder gar aus den Schätzen des Österreichi­schen Staatsarchives — oder ob es sich nur um eine neue Interpretation des gedruckten, anerkanntermaßen unzureichenden Materiales handelt. Daß es jedoch noch eine dritte Möglichkeit gibt, beweist die vorliegende Arbeit Haselmayrs, die sich freilich laut Vorwort nicht in erster Linie an die Gelehrtenwelt wendet. Sie „will vielmehr weitere Kreise der Bevölkerung erfassen und ihnen ,verlässige“ (sic!) Unterlagen für das Verständnis der außenpolitischen Fragen der Gegenwart an die Hand geben. Eines der­artigen Verständnisses bedürfen vor allem politisch tätige Persönlich­keiten . .. Notwendig erscheint es sodann für Wirtschaftsführer ... ferner für das Lehrpersonal an Schulen und Lehranstalten ... schließlich . . . für Wehrmachtoffiziere.“ Gerade bei einer solchen Zielsetzung erscheint es dem Rezensenten aber doch nicht unbedenklich, wenn man etwa auf S. 106 liest, Rußland sei die griechisch-katholische (sic!) Vormacht, oder auf S. 104 und 177 von einem griechisch-katholischen Bevölkerungsanteil Bosniens (die angegebene Ge­samtbevölkerungszahl entspricht überdies nicht dem Stand von 1878, sondern demjenigen von 1895!), der zwei Drittel der christlichen Bewohner umfaßte, die Rede ist. Weiter steht auf S. 108, daß bei Lissa die italienische Flotte fast völlig zerstört wurde, auf S- 107, daß in Frankreich nach der neuen Verfassung von 1875 Kammer, Senat und Staatspräsident künftig die Organe der Gesetzgebung (!) bildeten, und bereits auf S. 8, daß Otto der Große die Würde eines ostfränkischen Königs neben dem Kaisertitel beibehielt, ebenso auch seine Nachfolger. Man kann nur hoffen, daß das Buch lediglich den Lehrpersonen und nicht etwa auch den Schülern in die Hände fällt. Angesichts einer so reichen Blütenlese klingt es wenig überzeugend, wenn Haselmayr im Vorwort erklärt, das vorliegende Werk sei „auf streng wissenschaftlicher Grundlage in mehr als 20jähriger Forschertätigkeit und Arbeit entstanden“. Bei dieser Tätigkeit habe er Förderung durch das Auswärtige Amt erfahren, welches ihm die deutsche, die französische und die englische Dokumentensammlung zur Verfügung stellte — also alles Werke, die wohl auch sonst in jeder größeren Bibliothek bekannt sein müßten — und ihm „jederzeitigen“ Einblick in die Akten des „Amts­archivs“ gestattete; von dieser Möglichkeit scheint Haselmayr freilich — soweit sich angesichts der mehr als spärlichen Quellenhinweise feststellen läßt — nur recht bescheidenen Gebrauch gemacht zu haben. Auch von der im Vorwort erwähnten Unterstützung durch das Haus-, Hof- und Staats­archiv finden sich zumindest in dem vorliegenden Band fast keine Spuren. Im übrigen beschränkt sich Haselmayr auf eine anspruchslose Erzäh­lung der bekanntesten Tatsachen aus der diplomatischen Geschichte des Reiches in dem angegebenen Zeitraum, wobei die Beachtung der personellen Veränderungen im auswärtigen Dienst als Positivum zu werten ist. Als Einführung dient eine Seite über das Erste Reich und einige Seiten über die napoleonische Ära, die Zeit des Deutschen und des Norddeutschen Bun­des. Zu 1866 heißt es da etwa: „Auch jetzt wählte (!) Österreich die Ent­scheidung durch das Schwert.“ Bezeichnend für die Oberflächlichkeit der Darstellung sind etwa auf

Next

/
Oldalképek
Tartalom