Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

544 Literaturberichte (Humanismus, Naturphilosophie, Naturwissenschaft) hervorgehoben zu werden verdient. Diese höchst unzulängliche Überschau über eine äußerst komprimiert gestaltete Darstellung mag beim Leser vielleicht den Eindruck erwecken, es handle sich hier um einen der von Zeit zu Zeit wiederkehrenden Ver­suche, altbekanntes Wissen in einem nur wenig von der Tradition abweichen­den Schema neu zu vermitteln. Eine nähere Betrachtung ergibt jedoch, daß bei jedem einzelnen Titel das Problem an Hand der Forschungen der letzten Jahrzehnte von Grund auf neu durchdacht wurde und daß in den besonders problematischen Fällen der Leser selbst mitten in die Materie, nämlich die noch unbeendigte Diskussion eingeführt wird. Es genügt das Herausgreifen eines Paragraphen (II 11: Das Toleranzproblem im 16. Jahrhundert), um zu zeigen, wie wohl berechtigt diese neue Synthese unseres Wissens über das 16. Jahrhundert war; und was hier ein geschlossenes Thema betrifft, das gibt sich in anderen Teilen des Werkes in zahlreichen Einzelfragen sachlicher und terminologischer Natur zu erkennen. Daß sich Hassinger speziell bei kultur- und wirtschaftsgeschichtlichen Erscheinungen gerne auf Exemplarisches beschränkt, bedeutet umso weniger einen Mangel, als wie­derholt Querverbindungen zum anderen Pol und den diversen Zwischen­gliedern hingezogen werden. Das Signifikante, soweit es die Forschung bereits aufgedeckt hat, steht daher nie isoliert im Bewußtsein des Lesers. Die schon erwähnten Ankündigungen in der Einleitung dürften bei manchem einen leisen Zweifel an dem doch auch erstrebten Handbuch­charakter des Werkes aufkommen lassen, besonders im Hinblick auf das heute so beliebte Vorhaben, das „in die Zukunft Weisende“ aus dem all­gemeinen Geschichtsablauf herauszulösen. Wenn jedoch mit einer der­artigen Gewissenhaftigkeit bei der Auswahl der „Tendenzen“ mit einem steten Seitenblick auf den übrigen Wissensstoff vorgegangen wird, dann sind Einwände von dieser Seite aus illusorisch. Es ist, besonders im Vergleich mit früheren und auch jüngsten Darstellungen eines entsprechend umfang­reichen Zeitraumes erstaunlich, wie viel auf knapp vierhundert Seiten über ein Jahrhundert und dessen Voraussetzungen gesagt werden kann. Wenn der Autor selbst an die Kritik den Appell richtet, sein Werk einer anregen­den Zensur zu unterwerfen, dann darf bei aller Vorsicht doch erwartet werden, daß die Korrekturen nicht über Detailfragen hinauskommen wer­den. Was das Buch dem Forscher zu bieten vermag, zeigt allein schon die über achtzig Seiten starke (erklärende und wertende) Bibliographie, und die trotz aller Gedrängtheit anregende Diktion läßt hoffen, daß Hassingers Werk zu jenen relativ seltenen Epochegeschichten zählen wird, die nicht nur gelegentlich benützt, sondern auch gelesen werden. Gerhard Rill (Wien) Brandi Karl, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation und Gegen­reformation. Bruckmann München 1960, 583 S. Als Heinrich von Srbik dem im Jahre 1946 verstorbenen Göttinger Historiker Karl Brandi einen Nachruf widmete, da schrieb er über ihn, man werde kaum einen Historiker des letzten halben Jahrhunderts finden, in dem sich die „Schauensfreude und Darstellungsgabe des geborenen

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