Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

Rezensionen 545 Künstlers mit dam kritischen Forschen des strengsten Gelehrtentums und dem inneren Verhältnis zu den Ideen in der Geschichte zu so harmonischer Einheit zusammengefunden haben wie in Karl Brandi“. Diese Charakteristik der Brandischen Geschichtsschreibung bietet den Schlüssel dafür, wieso es möglich ist, daß ein von einem der Zunft an­gehörenden Historiker stammendes Werk dreißig Jahre nach dem ersten Erscheinen wieder veröffentlicht und den Freunden der Geschichtswissen­schaft und der Geschichte nunmehr in neuem äußeren Gewände in die Hand gegeben werden kann. Denn bei dem vorliegenden umfangreichen Opus handelt es sich um nichts anderes als um die dritte Auflage der in den Jahren 1927 und 1930 im Rahmen der von Erich Mareks herausgegebenen Deutschen Geschichte erschienenen Arbeiten Brandis: „Die deutsche Re­formation" und „Gegenreformation und Religionskriege“. Die zweite Auf­lage, welche im Jahre 1942 erschien, hatte Brandi noch selbst bearbeitet und dabei auch seine neuen Forschungen zur Geschichte der Reformation im Zusammenhang mit seinem 1937 erschienenen Werk über Karl V. ver­wertet. Auch der Fachhistoriker wird über dieses Wiedererscheinen des Werkes von Karl Brandi auf dem Büchermarkt sich mit Recht freuen. Daß die neue Auflage unverändert erscheinen kann und daß man dies verantworten kann im Hinblick auf den Fortschritt der geschichtlichen Erkenntnis, der zweifellos auch das Jahrhundert des konfessionellen Zeit­alters betrifft, hat seinen Grund in der Tatsache, daß Brandis Werk sozu­sagen zu den literarischen Werken der deutschen Geschichtsschreibung gehört. Denn auch in der Historiographie gibt es so etwas wie eine „Lite­ratur" :m ästhetisch-künstlerischen Sinne — Meisterwerke historischer Erzählkunst und Darstellung auf der Grundlage eigenen Forschens und originärer Sachkenntnis. Diese Werke, für welche der Ausdruck „populär­wissenschaftlich" etwas ganz Unzutreffendes aussagen würde, haben durch ihre künstlerische Qualität, durch die Kraft des Ausdruckes, die Frische und Lebendigkeit der Aussage ihren Brüdern, die wissenschaftlich gleich- gewichtig- und gleichwertig sein mögen, aber ohne die Größe der Sprache und die Hoheit des Wortes vor die Öffentlichkeit treten, vor allem voraus, daß sie nicht nur in den Fußnoten späterer epigonenhafter Opera ein posthumes, verstecktes Dasein führen müssen oder können, sondern daß sie Leben behalten über die Jahrzehnte hinweg. Brandis „Deutsche Ge­schichte im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation“ ist solch ein lebendig gebliebenes Werk der historischen „Literatur“. Dabei bleiben einzelne der Bedenken, welche G. Ritter beim ersten Erscheinen des Buches geltend gemacht hat, durchaus bestehen: etwa die starke Betonung des Machtpolitischen durch Brandi, die fast einseitige Hinwendung des Inter­esses auf das Dramatische, auf die Dynamik des äußeren Geschehens, das Fehlen eines tiefgehenden Verständnisses für die theologische Problematik und das Außerachtlassen der wirtschaftlich-sozialen Elemente der geschicht­lichen Entwicklung. Das mögen methodisch natürlich „Mängel” sein, die sich jedoch aus der prägenden Kraft der Persönlichkeit Brandis ergeben, die sich eben im Werk spiegelt und diesem den Geist seines eigenen WTesens sichtbar und spürbar aufdrückt. Die Dinge, die ihm näher lagen, die mehr sein Interesse weckten, tauchen mit größerer Leuchtkraft im Buche auf, — Mitteilungen, Band 13 35

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